Note 5 — Džanüms Heerzug.
Reading edition
So ganz unanfechtbar erscheint mir der Grundsatz doch nicht; denn eine lokalisierte Erzählung kann durchaus mythisch sein, während ihr Vorbild ein wirkliches Ereignis war. Das Lied erzählt uns, dass Rákóczys gesamte Heermacht beim Ansturm der unbedeutenden bosnischtürkischen Truppenabteilung vom panischen Schreck ergriffen in heller Flucht zerstiebt und ganz Siebenbürgen kläglich unterlegen sei. Die Berichte zeitgenössischer Chronisten, sowohl christlicher als türkischer wissen dagegen von einem ziemlich hartnäckigen Widerstande der Magyaren und Deutschen zu berichten. Der Schilderung des Guslaren entspräche eher die Mut- und Kopflosigkeit der 20,000 Griechen, die von heilloser Angst befallen nach Larissa und von Larissa samt der unkriegerischen Bevölkerung bei Nacht nach Pharsalos und Volo flüchteten. Nun, einen fast gleichen Fall verzeichnet auch die ältere türkische Geschichte, und wir dürfen in unserem Guslarenliede eine Auffrischung der alten Erzählung annehmen. Als im Jahre 1363 das serbische 20,000 Mann starke Heer zwei Tagereisen von Adrianopel an der Marica lagerte, wagte Hadži Ilbeki mit nur 10,000 Mann Osmanen einen nächtlichen Überfall auf das in Sorglosigkeit und Trunkenheit versunkene feindliche Lager. Das Getöse der türkischen Trommeln und Pfeifen, das Schlachtgeschrei ‘Allah! Allah!’ erfüllte die Luft und die Herzen der Christen mit Schrecken; ihn vermehrte die Finsternis der Nacht: »Die Feinde ergriffen, wie wilde Tiere aus ihrem Nachtlager aufgeschreckt, eiligst die Flucht, strömten gegen die Marica hin, schnell wie der Wind hergeht vor der Glut und sanken unter in der Flut,« berichtet der Geschichtschreiber Saeddin.5