Note 1 — (Drei Guslarenlieder.)
Reading edition
Das nachfolgende Guslarenlied hat zum Vorwurf ein in den asiatischen und europäischen Literaturen allbekanntes und vielbenütztes wirkliches oder erdichtetes Geschehnis vom heldenmütigen, männlichen Sinne eines Frauenzimmers, das als Ritter verkleidet in die Welt auszieht, um ihres Herzens Liebsten aus feindlicher Haft zu erlösen. In unserem Falle befreit die Schwester den einzigen Bruder. Daneben erscheinen in der Guslarenüberlieferungen Varianten: Die Mutter erkämpft ihre dem Tode in Feindehand verfallenen Söhne oder die Gattin verschafft ihrem Manne die Freiheit wieder, oder die Tochter erobert sich ihren Vater oder sie legt männliche Rüstung an und dient im Heere für den Vater1. Jede Schlussfolgerung auf eine bevorzugte gesellschaftliche Stellung der Frau unter den Südslaven, die einer nur aus dieser Sage zöge, müsste man als haltlos bezeichnen. Mehr kann ich nicht zugestehen, als dass hier eine serbische Lokalisierung eines internationalen Erzählungstoffes vorliegt.