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Slavische Volkforschungen

Note 3 — Die Mar.

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Ohne eigenes Zutun wird das Menschenkind zur Mora. Der verderbliche Geist nimmt vom Menschen Besitz und zwingt zu seinen Diensten den besessenen Leib, der schliesslich oft für den fremden Geist zu büssen hat. In Bosnien und im Herzogtum sagt man: ‘Eine Mora kann nur ein Mädchen sein, und zwar eines, dessen Mutter schlimm gewesen, z. B. die den Teufel anrief (vragala), wenn sie im Hause ihre Kinder züchtigte, die sich falsch zu verschwören pflegte und schamlos war, zu Gott nicht betete und in der Kirche keine Beichte ablegte.’3 In einer Dorfgeschichte des Dalmaters Vuletić, »Die Mädchenhöhle«, erzählt ein Mädchen: »Ich hatte eine Tante namens Ännchen, die war als Mora zur Welt gekommen, das heisst, in einem blutigroten Hemdchen. Zu ihrem Unglück hatte sich damals niemand gefunden, der von der Spitze des Daches in die Welt hinausgeschrien hätte: ‘Es ist eine kleine, rote Hindin in einem roten Hemdchen geboren worden’ (rodila se crvena košutica u crvenoj košuljici). Dies wäre ihre Erlösung gewesen. Während ihrer Mädchenzeit wurde sie im ganzen Dorfe verfolgt; die Dorfleute waren fahl und blass, als ob das Fieber alle plagte, und oft sah man morgens das Mädchen zerkratzt in die Häuser kommen mit der Bitte: ‘Gevatter, gib mir ein Körnchen Salz!’« — Allgemein gilt es, dass Kinder weiblichen Geschlechts, die mit einem sogen. Glückhäubchen, in der Lika sagt man »in einem Bettchen« (posteljica) oder einem blauen Hemdchen (modra košuljica) geboren werden, als Moren die Menschen quälen müssen. Solche Mädchen sähen bei Nacht ebenso gut wie Katzen.

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