Note 4 — Der Yoga-Schlaf.
Reading edition
Zur Budapester Milleniumausstellung (1895) verschrieben sich die Unternehmer, um in Oes-Budavár (Alt-Ofen) besondere Zugkräfte für die Gafflust zu besitzen, zwei Originalfakire aus Indien, damit die während der Ausstellungdauer als lebendige Tote öffentlich hungern und schlafen sollen. Im guten Glauben und Vertrauen, sich unter anständigen Menschen längere Zeit ausschlafen zu dürfen, legten sich die Inder auf die Bahren zur Ruhe hin. Indes machten sich einzelne Besucher den Jux, mit Nadeln die Schläfer zu stechen, mit Zangen zu kneipen und mit brennenden Streichhölzern zu kitzeln. Bei Tag ertrugen es die Fakire, doch betrachteten sie diese Behandlung als einen Vertragbruch und hielten sich demzufolge der Verpflichtung enthoben, unausgesetzt regunglos dahinzuliegen. Nachts erhoben sie sich, gaben ihrer Meinung über die europäische Höflichkeit Ausdruck und beschlossen, sich zumindest mit Speise und Trank regelmässig allnächtlich zu stärken. Man erwischte sie einmal dabei, und erklärte sie für Schwindler und Betrüger. Die Yogi waren über diese ihnen bis dahin ungewohnte Betitelung tief gekränkt und einer von ihnen, Bherma Sena Pratapa erhob in einem an die Neue freie Presse in Wien gerichteten Brief (veröffentlicht teilweise in der Nummer vom 8. August 1895) entschiedenen Einspruch gegen die Verunglimpfung und sagte ganz zutreffend und sachlich: »Der Yoga-Schlaf ist eine Wissenschaft, wie alle andern, die von Leuten, welche die nötige Begabung dafür haben, theoretisch und praktisch erlernt werden kann.«4