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Slavische Volkforschungen

Note 2 — Der Vampir.

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Das Volk glaubt, zu einem Vampir werde nur ein ruchloser Bösewicht oder sonst ein Verfluchter, ein rechtschaffener Mensch könne sich aber in keinen Vampir verwandeln, ausser es fliegt über den aufgebahrten Leichnam ein unreiner Vogel hinweg, oder es springt ein unreiner Vierfüssler hinüber, oder es schreitet ein Mensch oder auch nur der Schatten eines Menschen über den Toten. Vor solchen Zufälligkeiten wird der Tote aufs ängstlichste beschützt und bewacht. Als unreine Vögel betrachtet man die Elster (svraka) und die Henne (kokoš), nicht aber einen Hahn, als unreine Vierfüssler eine Hündin (vaška) und die Katze (mačka). Dass die Katze einen bösen Angang bedeute und zu Wahrsagungen herangezogen wurde, lehrt uns L. Hopf;2 der Südslave hält jedoch die Katze für ein Unglückgeschöpf bösester Art. In Bosnien lässt man z. B. keine Katze über den aufgelegten Webeaufzug schreiten, weil man glaubt, dass derjenige, der in einem aus solchem Leinen angefertigten Hemde stirbt, unfehlbar ein Vampir werden müsse. Schliesst sich eine Katze an einen Kranken an, oder legt sie sich gar zu ihm aufs Bett, so glaubt man, der Kranke werde in zwei, drei Tagen das Zeitliche segnen. Läuft eine Katze gern zu einem Toten, so glaubt man, der Tote sei noch vom neunten Gliede an verflucht oder verdammt. Die südungarischen Serben glauben wieder, dass, wenn ein Hund oder eine Katze, besonders letzteres Tier, unter dem Tisch durchläuft, auf welchem ein Leichnam aufgebahrt liegt, der Tote als Vampir wiedererstehen müsse. Besorgt der Bauer im Savelande, dass trotz aller Wachsamkeit doch irgend ein unreines Tier über den Toten schreiten könnte, so legt man ihm auf die Brust einen Kloss Erde (grumen zemlje) oder sticht ihm unter die Zunge ins Fleisch eine Weissdornnadel (glogov trn) und hofft dadurch eine sonst allenfalls mögliche Verwandlung des Toten in einen Vampir zu vereiteln. Im Drinagebiete sticht man nur ausnahmweise dem Toten besagten Dorn unter die Zunge, wenn es bekannt ist, dass einmal in der Verwandtschaft des Verstorbenen ein Vampir vorgekommen. Dagegen ist es bei den slavischen Moslimen durchgehends gebräuchlich, sobald einer verstirbt, dem Toten auf die Brust und unter das Haupt je ein Knöllchen Erde zu legen, und ihn, so lange er im Hause bleibt (nie länger als 24 Stunden), aufs allersorgfältigste vor den gedachten unreinen Tieren und vor dem Schatten eines Menschen zu bewachen. Besonders gefürchtet wird der menschliche Schatten, gleichsam als ob der Schatten als ein Sonderwesen in den toten Leib hineinfahren und ihn zu neuem Scheinleben befähigen würde. Ähnlich ist der Glaube, dass ein totes Frauenzimmer zum Vampir werden müsse, falls sich ein Mann mit ihrem Leichnam vergisst. Ich habe eine hierher gehörige Sage aufgezeichnet.3

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