Note 105 — Fußnoten
E. K. Rahsin translation
Der Bakuninist Netschajeff hatte 1869 in Moskau unter der studierenden Jugend einen Geheimbund gegründet, der unter seiner Leitung alsbald den eigenen Genossen Iwanoff ermordete, weil dieser sie alle angeblich zu verraten beabsichtigte. Netschajeff wollte durch dieses Verbrechen die übrigen Mitglieder ganz in seine Macht bekommen und dann seinen „Katechismus der Revolution“ verwirklichen. Seine Ideen – „radikale und allgemeine Pandestruktion“ unter Verpönung aller Pläne für den zukünftigen Aufbau (vgl. S. 155 seinen Ausspruch vom „Werk der Zerstörung“) – veröffentlichte er in Genf in einem Blatt, das er „Volksgericht“ nannte und von dem 1869 und 70 je eine Nummer erschien. Der Prozeß wegen der Ermordung Iwanoffs („Der Prozeß der Siebenundachtzig“) begann 1871. Im folgenden Jahr wurde Netschajeff von der Schweiz als gemeiner Verbrecher ausgeliefert und 73 zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilt. Er starb 1882 in der Peter-Pauls-Festung. – Inwieweit Dostojewski in seinem Roman „Die Dämonen“, der 1870 begonnen, 71–72 veröffentlicht worden ist, den Fall Netschajeff als Vorlage benutzt hat, geht annähernd aus diesem Artikel hervor. Ob Dostojewski schon in den vierziger Jahren von Speschnjoffs „Entwurf“ (vgl. S. 82) gehört hat, muß dahingestellt bleiben; jedenfalls lagen diese Ideen schon in der Luft. Dostojewskis Freund, W. Ssolowjoff, nennt ihn gelegentlich einen „Propheten“, der nicht nur die Idee Raskolnikoffs, sondern auch den Prozeß Netschajeff „in den ‚Dämonen‘ bereits vorweggenommen hat“. Der Roman „Raskolnikoff“ war im Druck, jedoch noch nicht erschienen, als in Moskau gleichfalls von einem Studenten und in Paris aus denselben Gründen ein Mord verübt wurde. E. K. R.