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Sämmtliche Werke 6

Note 4 — Anhang

Charlotte König translation

Mir kam früher häufig ein seltsamer Gedanke; ich war der Ansicht, es müßte doch schön sein, wenn eine jede Stadt eine Straße aufzuweisen hätte, die gewissermaßen eine ganze Chronik der Architektur darstellt: dazu müßte sie mit einem schweren, finsteren Tor beginnen; hätte der Beschauer dieses passiert, so sollte er zu beiden Seiten des Weges gewaltige, mächtige Gebäude in einem ursprünglichen, noch rohen Geschmack, wie er allen Urvölkern eigen ist, erblicken, auf diese sollten die verschiedenen Entwicklungsformen des Stiles folgen: Seine machtvolle Umgestaltung, zur ägyptischen Architektur, sodann zur Schönheit des griechischen Stils, ferner zur wollüstigen Pracht der alexandrinischen und byzantinischen Architektur mit ihren flachen Kuppeln, dann zum römischen Stil mit seinen vielreihigen Arkaden, und dann wieder der Niedergang, das Zurückfallen in die rohen Zeiten und das plötzliche Sichaufschwingen zu der ungewöhnlichen Pracht der arabischen Architektur; hierauf sollte der rohe gotische, dann der gotisch-arabische und dann der reingotische Stil, diese Krone der Kunst, wie wir sie in dem Kölner Dom vorfinden, folgen; hierauf die furchtbare Vermischung aller Stile unter dem Einfluß der byzantinischen Kunst, dann die Wiederkehr der alten griechischen Architektur in neuem Gewande, und endlich müßte die Straße in ein Tor ausmünden, das alle Elemente des neuen Geschmacks in sich zusammenfaßt. Diese Straße wäre dann in gewissem Sinne eine lebendige Entwicklungsgeschichte des Geschmacks, und wer zu faul wäre, dicke Folianten durchzublättern, der brauchte nur einmal durch diese Straße zu gehen, um ein vollkommenes Bild dieser Entwicklung zu erhalten.

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