Note 202 — 16. Im Parlament und Daheim. (Juli und August 1848 bis zum Conflict über den Malmöer Waffenstillstand.)
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Namentlich erkennen wir auch hieraus, wie selbst Biedermann, dessen Gerechtigkeit des Urtheils über Blum wiederholt anerkennend hervorgehoben wurde, in seinen „Erinnerungen aus der Paulskirche“, S. 393–97, doch zum Theil den Gegner falsch und ungerecht beurtheilte, wenn er sagt: „Diese Fähigkeit (der Parteiherrschaft) beruhte nächst ihren (Blum’s und Vogt’s) hervorragenden parlamentarischen Talenten, hauptsächlich in dem Schein aufrichtiger, uneigennütziger Hingabe an die Sache, durch welchen sie nicht blos das Publikum, sondern auch ihre eigene Partei täuschten. Ich muß jedoch unterscheiden.“ (Folgen Bemerkungen über Vogt.) „Blum besaß in noch höherem Grade als Vogt den Ausdruck treuherziger Ehrlichkeit und rückhaltloser Hingebung an das Allgemeine. Auch möchte ich fast annehmen, daß es ihm wirklich mehr, als Jenem, zugleich um die Sache, nicht blos um die Befriedigung der eigenen Eitelkeit oder des eigenen Ehrgeizes zu thun war, daß er, wie nach Mirabeau’s Ausspruch Robespierre, „das glaubte, was er sagte“. Sonst hätte er kaum einen so weitverbreiteten und so lange andauernden Einfluß üben können. Allein das eigene Selbst hatte auch bei Blum einen entscheidenden Antheil an allen seinen politischen Handlungen. Was hätte dieser Mann mit seiner unverwüstlichen Körper- und Geisteskraft, mit seinem nimmermüden Eifer, mit der gewaltigen Macht seiner volksthümlichen Beredsamkeit leisten können, wäre es ihm aufrichtig und allein um die Freiheit und den Fortschritt, nicht zugleich um die Zwecke seines Ehrgeizes zu thun gewesen, hätte er das Volk wahrhaft durch Bildung frei machen, nicht blos aus einer Abhängigkeit in die andere versetzen wollen!“ Diesem Urtheil ist insoweit beizutreten daß Blum gewiß, wie jeder bedeutende Mann, Ehrgeiz besessen; zu widersprechen aber darin, daß er diesen Ehrgeiz, „das eigene Selbst“ irgendwo und wann zum Maßstab seiner öffentlichen Dienste gemacht hat. Seinem Eigennutz hätte er bei weitem besser daheim dienen können, als in Frankfurt. Nimmer hätte solcher Ehrgeiz die Opfer gebracht, die Sorgen getragen, die er durch seinen Aufenthalt in Frankfurt trug. Daß er in seinem Parteistandpunkt schließlich auf falsche Bahnen gedrängt wurde, war zum Theil doch auch die Schuld seiner Gegner und der verworrenen aufgeregten Zeit. Und er selbst hat das harte Geschick, unter dem er erlag, in den letzten Monaten seines Lebens in einem Briefe an einen Freund wohl am richtigsten bezeichnet in den Worten: „Mein Lieber, wir sind um fünfzehn Jahre zu früh auf die Welt gekommen.“