Note 11 — ZWÖLFTES KAPITEL
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In den Philippinen ist letzteres Amt unentbehrlich, da der Alkalde nie die Landessprache versteht; zum Glück für Spanien muss es in wichtigen Angelegenheiten der eingeborene Schreiber meist mit dem Cura theilen, der in vielen Fällen die eigentliche Behörde ist. Er kennt den Charakter der Insassen, und alle ihre Angelegenheiten, wobei ihm der intime Verkehr mit den Frauen sehr zu Statten kommt. Wie mir 1867 ein hoher Beamter in Madrid mittheilte, lag damals dem Minister ein Antrag zur Erwägung vor, wodurch die Beschränkung der Amtsdauer auf drei Jahre aufgehoben werden sollte.11 Die ihr zu Grunde liegende Furcht, dass der Beamte in einer entfernten Provinz zu mächtig, sein Einfluss dem Mutterlande gefährlich werden könne, passt nicht mehr in die heutigen Verhältnisse. Die Verkehrserleichterungen haben die frühere Abgeschlossenheit der fernen Provinzen aufgehoben. Die neuen Zollgesetze, die wachsende Nachfrage nach Kolonialprodukten, das den Fremden gewährte Niederlassungsrecht müssen eine bedeutende Steigerung des Landbaus, des Handels und einen entsprechenden Zuzug von Weissen und Chinesen zur Folge haben. Dann wird an Stelle jener Bedenken die Notwendigkeit treten, das Ansehn und den Einfluss der Beamten zu heben, durch Verminderung ihrer Zahl, sorgfältige Wahl der Personen, Beförderung nach Fähigkeit und Leistung, angemessene Besoldung und langen Verbleib in einer Stelle. Voraussichtlich werden besonders die Beziehungen mit Californien und Australien lebhaft werden. Aus diesen freien Ländern werden freie Ideen eindringen. Der Wohlstand der Mestizen wird beträchtlich zunehmen, um so ungeduldiger werden sie die wirkliche oder eingebildete Zurücksetzung der Regierung, den Hochmuth ungebildeter Spanier ertragen. Dann wird das Mutterland ernstlich zu erwägen haben, ob es klug ist, die Kolonie ferner durch Monopole und Geldentziehungen auszubeuten und einer unnützen, hungrigen Beamtenschaar preiszugeben.12 Englische und holländische Kolonialbeamte werden für ihren schwierigen verantwortlichen Dienst besonders ausgebildet, erlangen ihre Anstellung durch ein strenges Examen in der Heimat, und rücken in der Kolonie nur allmälig je nach ihren Fähigkeiten in die höheren Stellen ein. Wie ganz anders werden die Philippinen mit Beamten versorgt. Ob es aber Spanien gelingen wird, einen den neuen Verhältnissen gewachsenen Beamtenstand zu schaffen, ist schwer vorauszusagen, werden doch in Spanien selbst die Aemter nicht sowohl durch Befähigung und Verdienst als durch politische Intriguen erlangt und eingebüsst.13