Note 205 — II. Reise nach Griechenland. (continued 2)
Reading edition
Ich kann nicht umhin noch einige Stellen aus dem erwähnten Ehrengedächtniß über die Amtsthätigkeit Rudharts in Passau anzuführen: »Nach dem Schlusse des dritten, von ihm besuchten, Landtages wurde Rudhart zum Präsidenten der Regierung zu Passau ernannt. Als oberster Staatsbeamter in einem Bezirke, der den dritten Theil Altbayerns umfaßt und eines großen Emporkommens fähig ist, konnte er wohl versucht werden, vielfach einzugreifen, um mit jenem gelinden Zwange, den eine geachtete Verwaltung auszuüben weiß, die Entwicklung zu beschleunigen, wozu ihm die reichen Mittel vor Augen lagen. Er enthielt sich dessen, überzeugt, daß in weiten Kreisen nur eigener Trieb gedeihlich wirke, der zu seiner Zeit von selbst eintrete, wenn ihm nur Recht und Ordnung den Weg bereite. — Also mit Verzicht auf alles Außerordentliche, widmete er dem Ordentlichen seine ungetheilte Aufmerksamkeit, ohne vorzugsweise einen Zweig vor dem andern zu bedenken, sondern mit jener Unpartheilichkeit gegen die Sachen, die auch dem gerechten Manne zuweilen schwerer zu üben ist als gegen die Personen, ist er nicht, wie Rudhart, immer eingedenk, daß er im Namen des Landesherrn, nicht in eigenem, handle. Sein schneller und scharfer Blick drang, ohne daß er sich zerstreute, in alle Gänge der Verwaltung, deren kleinstes Getrieb er weit entfernt war als Kleinigkeit gering zu schätzen. Gewohnt, alles was ihm oblag frisch zu thun, begehrte er dasselbe, nicht unbillig, da es dabei mehr auf guten Willen als besondere Kräfte ankommt, auch von den Untergebenen, und wehrte dadurch, so viel an ihm war, einer der schwersten Plagen des gemeinen Lebens, der Zögerung in den Geschäften. Theilnehmend und wohlwollend, bemühte er sich nicht nur das Ungehörige abzustellen, sondern zu dessen Vermeidung anzuleiten, und nicht nur gegründete Unzufriedenheit durch Abhülfe, sondern auch unbegründete durch Belehrung zu heben. Für diese Amtsführung ist ihm die allgemeine Zufriedenheit zu Theil geworden, die sich schon bei seinen Lebzeiten mehrfach zu erkennen gegeben, später in dem Beschlusse des versammelten Landrathes von Niederbayern, ihm ein Denkmal zu setzen, auf das feierlichste ausgesprochen hat. Nicht selten fällt auf Ehrenbezeugungen dieser Art ein trübender Verdacht von Schmeichelei, wenn sie der Macht, von Prahlerei, wenn sie dem Ruhme dargebracht werden; dieses Denkmal, einem stillen Verdienste von einer Dankbarkeit, worein sich keine Nebenabsicht mischen kann, errichtet, wird in dem reinen Lichte der Wahrheit stehen.