Note 2 — Fünfte Rede. Folgen aus der aufgestellten Verschiedenheit.
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Auch über den größern oder geringern Wohllaut einer Sprache sollte, unsers Erachtens, nicht nach dem unmittelbaren Eindrucke, der von so vielen Zufälligkeiten abhängt, entschieden werden, sondern es müßte sich auch ein solches Urteil auf feste Grundsätze zurückführen lassen. Das Verdienst einer Sprache in dieser Rücksicht würde ohne Zweifel darein zu setzen sein, daß sie zuvörderst das Vermögen des menschlichen Sprachwerkzeugs erschöpfte und umfassend darstellte, sodann daß sie die einzelnen Laute desselben zu einer naturgemäßen und schicklichen Verfließung ineinander verbände. Es geht schon hieraus hervor, daß Nationen, die ihre Sprachwerkzeuge nur halb und einseitig ausbilden und gewisse Laute oder Zusammensetzungen unter Vorwand der Schwierigkeit oder des Übelklanges vermeiden, und denen leichtlich nur das, was sie zu hören gewohnt sind und hervorbringen können, wohlklingen dürfte, bei einer solchen Untersuchung keine Stimme haben.
Wie nun, jene höhern Grundsätze vorausgesetzt, das Urteil über die deutsche Sprache in dieser Rücksicht ausfallen werde, mag hier unentschieden bleiben. Die römische Stammsprache selbst wird von jeder neueuropäischen Nation ausgesprochen nach der derselben eigenen Mundart, und ihr wahre Aussprache dürfte sich nicht leicht wiederherstellen lassen. Es bliebe demnach nur noch die Frage übrig, ob denn den neulateinischen Sprachen gegenüber die deutsche so übel, hart und rauh töne, wie einige zu glauben geneigt sind.
Bis einmal diese Frage gründlich entschieden werde, mag wenigstens vorläufig erklärt werden, wie es komme, daß Ausländern und selbst Deutschen, auch wenn sie unbefangen sind und ohne Vorliebe oder Haß, dieses also scheine. Ein noch ungebildetes Volk von sehr regsamer Einbildungskraft, bei großer Kindlichkeit des Sinnes und Freiheit von Nationaleitelkeit (die Germanier scheinen dieses alles gewesen zu sein) wird angezogen durch die Ferne und versetzt gern in diese, in entlegene Länder und ferne Inseln, die Gegenstände seiner Wünsche und die Herrlichkeiten, die es ahnt. Es entwickelt sich in ihm ein romantischer Sinn (das Wort erklärt sich selbst und könnte nicht passender gebildet sein). Laute und Töne aus jenen Gegenden treffen nun auf diesen Sinn und regen seine ganze Wunderwelt auf, und darum gefallen sie. Daher mag es kommen, daß unsre ausgewanderten Landsleute so leicht die eigne Sprache für die fremde aufgaben, und daß noch bis jetzt uns, ihren sehr entfernten Anverwandten, jene Töne so wunderbar gefallen.