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Rabeh und das Tschadseegebiet

Note 14 — III. Die ersten Eroberungszüge Rabehs.

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Der Orden der Senussi, deren Namen in diesen Blättern häufig wiederkehrt, ist eine religiöse muhammedanische Bruderschaft, die sich in den letzten Jahrzehnten zu einem nicht zu unterschätzenden Machtfaktor in der afrikanischen Politik herausgebildet hat und namentlich in gewissen Gegenden des nordöstlichen Afrika ausschlaggebenden Einfluss besitzt. In religiöser Beziehung auf puritanischer, den starren ursprünglichen Islam betonender Grundlage stehend, zeichnet sie sich durch eine ausserordentlich straffe Organisation aus, die in blindem Gehorsam dem Ordensoberhaupt gegenüber gipfelt. Unter sich sind die Ordensbrüder zu gegenseitiger Unterstützung gezwungen. Der Gründer des Ordens, der Vater des gegenwärtigen Oberschechs, ein Algerier von Geburt, hat Ende der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts, nachdem er lange Zeit im Hedjaz gelebt, den Ordenssitz in Djerabub, an der tripolitanisch-egyptischen Grenze, in einer Oase aufgeschlagen, die mitten in der Wüste, weitab vom Meere, gelegen ist. Von hier hat der gegenwärtige Schech der Senussi im Jahre 1896 seinen Centralsitz nach der Oase Kufra und im Jahre 1899 noch weiter nach dem Innern, nach Borku, verlegt. In sehr geschickter Weise hat sich das Ordensoberhaupt mit einem mystischen Nimbus zu umgeben gewusst, und der heutige Schech der Senussi wird von seinen Anhängern als der erwartete, wahre Mahdi angesehen. In zahlreichen Orten Innerafrikas, auf den Karawanenstrassen nach Mekka u. s. w. haben die Senussi klosterartige Etablissements, Zauijas, errichtet, welche unter eigenen Beamten, Mokaddims, stehen, und in denen die Gläubigen und vor allem die Ordensbrüder bewirtet und die Lernbegierigen in eigenen Schulen unterrichtet werden. Von diesen Zauijas aus wird die Propaganda für den Islam und für den Orden eifrig betrieben. Gleichzeitig sind sie durch ihre Schulen die Träger einer gewissen Kultur geworden. Die Senussi betonen die Nützlichkeit der Arbeit, und die Zauijas geben in dieser Beziehung selbst ein gutes Beispiel durch Anlage von mustergiltigen Ackerbauwirtschaften und Palmenwäldern. Sie unterstützen nach Kräften den Handel, von dem sie selbst möglichsten Nutzen ziehen. Ein Teil der Einkünfte der Zauijas wird für den Unterhalt derselben verwandt, der Rest wird an die Centralstelle abgeführt. Besonders in letzter Zeit hat sich der Orden der Senussi mehr und mehr im Interesse seiner zahlreichen im Nordosten Afrikas vom Karawanenhandel lebenden Anhänger um die Aufrechterhaltung friedlicher Zustände im Innern des schwarzen Erdteils bemüht. Der Oberschech der Senussi ist über alle Vorgänge in Afrika genau orientiert. Stets stehen in seiner Centrale Sendboten bereit, um seine Befehle und Ratschläge nach den entferntesten Gegenden zu tragen. Der europäischen Expansionspolitik in Afrika haben sich die Senussi stets feindlich gezeigt. Auch ausserhalb Afrikas zählt der Orden zahlreiche Anhänger.

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