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Plattdeutsche Briefe, Erzählungen und Gedichte

Note A — Vorbericht.

Reading edition

Zu bedauern würde es sein, wenn wirklich Jemand zu Forschungen und Arbeiten in unserer plattdeutschen Mundart etwa das Strodtmannsche Idiotikon von 1756 zu Rathe gezogen haben mögte, indem eine blos flüchtige Ansicht desselben Jedem, der mit dem hiesigen Dialekte nur einigermaßen bekannt geworden ist, sofort die Überzeugung gewähren muß, daß ein bedeutender Theil der darin vorkommenden Wörter unrichtig gegeben, geschrieben und interpretirt, die wenigen darin aufgenommenen Sprichwörter und besonderen Redensarten aber fast durchweg falsch und sinnwidrig erklärt sind; was auch schon der verstorbene Dr. Klöntrup, der mit vollem Rechte als bewährter Kenner und fleißiger Forscher in plattdeutschen Idiomen dasteht, in dem Vorberichte zu seinem im Manuscripte hinterlassenen, vor Kurzem in die Bibliothek des hiesigen Rathsgymnasii übergegangenen, überaus vollständigen und eben deshalb sehr schätzbaren Wörterbuche der niederdeutsch-westphälischen Mundart bemerkt, von welchem sehr zu beklagen ist, daß es bisher nicht zum Drucke gelangte[B].

Ich erachte es für angemessen die betreffende Stelle aus der Klöntrupschen Einleitung hier abdrucken zu lassen, so wie ich es auch nicht für überflüssig gehalten habe, von dem bei Strodtmann angetroffenen wenigen Guten, die in einem Anhange zu seinem Idiotikon beigebrachte, bei der Flachs- und Leinwandgewinnung in Westphalen gebräuchliche, mittheilungswerthe Nomenclatur am Schlusse dieses Büchleins berichtigt aufzunehmen, zumal das Strodtmannsche Idiotikon selbst sich nur in wenigen Händen befindet.

(der Verfasser.)

»In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gab der Herr Strodtmann, dermaliger Rector am Gymnasio zu Osnabrück, ein osnabrücksches Idiotikon heraus, welches nachher nebst dem hamburgischen Idiotikon des Herrn Professor Richey die Grundlage zu dem bekannten bremischen Wörterbuche ausmachte. Von jenem Idiotikon des Herrn Strodtmann läßt sich nicht viel Gutes sagen; der Herr Rector, der selbst kein geborener Osnabrücker war, hatte es durch seine Schüler sammeln lassen, er hat es blos in Ordnung gebracht. Daher ist es denn gekommen, daß zwei Drittel der darin aufgenommenen — im bremischen Wörterbuche mit S bezeichneten Worte entweder unrichtig geschrieben, oder falsch erklärt sind. Hat nun der Herausgeber des bremischen Wörterbuchs bei dem Richeyschen Idiotikon — das ich, da ich den hamburgischen Dialect nicht so genau kenne, nicht beurtheilen kann — eine eben so üble Wahl getroffen, so steht es schlecht um das bremische Wörterbuch, wie auch sonst am Tage liegt.

Indessen ist es wohl hohe Zeit an ein brauchbares niederdeutsches Wörterbuch zu denken. Kenne ich doch Rechtsgelehrte in meiner Vaterstadt, denen ich die Schuhriemen aufzulösen nicht werth bin, die aber nicht im Stande sind eine Urkunde aus den Zeiten des Bischofs Philip Sigismund zu lesen. Die niederdeutsche Sprache kömmt unter den gebildeten Classen immer mehr außer Gebrauch, und sogar Kindermädchen und Ammen werden angewiesen mit den Kindern hochdeutsch zu rothwelschen. Das giebt denn freilich ein hübsches Deutsch, aber das geht mich nichts an; ich bedaure nur den Untergang unsers altsächsischen Idioms, den wir in der Folge nur noch theilweise aus dem Holländischen werden erklären können.«

Klöntrup, Dr.

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