Note 1 — Vorwort des Herausgebers.
Wilhelm Spohr translation
Ich kenne nach dem »Havelaar« kein zweites Buch, das in so eminentem Sinne seine Geschichte und seine Schicksale gehabt hätte. »Es ging ein Schaudern durch das Land«, erklärte nach seinem Erscheinen ein Abgeordneter von der Tribüne des Parlaments. Sogar Einzelheiten haben ihre eigene Geschichte! Indem ich darauf hinweise, dass das kleine holländische Wörtchen »dus« in dem Buche (in meiner Übersetzung das »also« auf S. 291 Zeile 7) einen gewaltigen Federkrieg entfachen konnte, mache ich wohl begreiflich, dass ich davon absehen möchte, in diesem kurz beabsichtigten Vorwort mich weiter in die Schicksalsgeschichte des Werkes zu verlieren. Nur will ich noch dem Leser, der sich nicht über dieses Buch hinaus in den reissenden Strudel der Multatuli-Welt hineinziehen lassen will, von vornherein verraten, dass der Held Max Havelaar der Autor selbst ist, bürgerlichen Namens Eduard Douwes Dekker, der die hohe Beamtenstellung eines Assistent-Residenten von Lebak auf Java einnahm und nach seinem 1856 genommenen Abschied aus Landesdiensten seine sehr merkwürdigen Erfahrungen in den Niederländisch-Indischen Besitzungen im Buche »Max Havelaar« niederlegte. Es ist also dieses Buch kein Roman im gewöhnlichen Sinne; in ganz einziger künstlerischer Einkleidung bietet es aktenmässige Wahrheit über die Schicksale des Assistent-Residenten Eduard Douwes Dekker, der sich im Buch den Namen Max Havelaar gab und als Autor des Werkes sich Multatuli nannte. Wen es drängt, mehr von der Geschichte des lange Zeit schlau unterdrückt gehaltenen Buches, mehr von dem thatenreichen Leben des Mannes zu erfahren, ‚der viel getragen hat‘, dem ist die Möglichkeit geboten, sich in dem von mir herausgegebenen Multatuli-Biographie- und Auswahlbande des weiteren zu unterrichten.1