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Max Havelaar

Note 1 — Elftes Kapitel.

Wilhelm Spohr translation

—Die Korallen waren eingepackt. Es war sechs Uhr, und da unter dem Äquator—Natal liegt um wenige Minuten nach Norden: wenn ich über Land nach Ayer-Bangie ging, stapfte ich zu Pferde über ihn hin ... man konnte wahrhaftig drüber stolpern!—da unter dem Äquator war sechs Uhr das Signal für Abendgedanken. Nun finde ich, dass der Mensch des Abends immer etwas besser ist—oder richtiger: weniger nichtsnutzig—als des Morgens, und das ist ganz natürlich. Morgens »nimmt man sich zusammen«, man ist Gerichtsdiener oder Kontrolleur oder ... nein, das genügt schon! Ein Gerichtsdiener »nimmt sich zusammen«, dass er nun heute mal recht schön seine Pflicht thue ... Gott, was für eine Pflicht! Wie mag das »zusammengenommene« Herz aussehen! Ein Kontrolleur—ich sage das nicht für Sie, Verbrugge!—ein Kontrolleur reibt sich die Augen aus und sieht verdriesslich dem Moment entgegen, wo er dem neuen Assistent-Residenten begegnen soll, der bei seinen paar Jahren mehr Dienstzeit ein lächerliches Übergewicht annehmen will, und von dem er so viel Sonderbares gehört hat ... auf Sumatra. Oder er muss den Tag Felder vermessen und steht in Zweifelsnöten zwischen seiner Ehrlichkeit—Sie wissen das nicht so, Duclari, weil Sie Militär sind, aber es giebt wirklich ehrliche Kontrolleure!—dann steht er da, hin und her schwankend zwischen der Ehrlichkeit und der Furcht, dass Radhen Dhemang Soundso von ihm den Schimmel zurückerbitten werde, der so guten Passgang hat. Oder auch, er muss den Tag mannhaft »ja« oder »nein« sagen auf Kabinettsschreiben No. soundsoviel. Kurz, des Morgens beim Erwachen fällt einem die Welt aufs Herz, und daran hat es seine Last, selbst wenn es stark ist. Aber des Abends hat man eine Pause. Es liegen zehn volle Stunden zwischen dem Jetzt und dem Augenblick, da man seinen Dienstrock wiedersieht. Zehn Stunden: sechsunddreissigtausend Sekunden, um Mensch zu sein! Das ist jedem ein Wohlgefallen. Das ist der Augenblick, da ich zu sterben hoffe, um jenseits anzukommen mit einem inoffiziellen Gesicht. Das ist der Augenblick, wo deine Frau in deinem Gesicht etwas wiederfindet von dem, was sie gefangen nahm, als sie dich das Taschentuch behalten liess mit einem gekrönten E1 in der Ecke ...

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