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Malmedy und die preußische Wallonie

Note 23 — V. Die Umgegend von Malmedy.

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Der Landesgeologe H. Grebe in Trier berichtete 1896 darüber: „Schon im vorigen Frühjahr bei Rückkehr von einer geologischen Studienreise aus Belgien wurde mir in Burtonville, nahe der preußischen Grenze, Kunde von den Goldfunden bei Recht im Kreise Malmedy; ich habe sie nicht beachtet, weil ich oftmals in meiner bergmännischen und geologischen Praxis von solchen sprechen hörte, auch von Goldborn, Goldkaul u. s. w., und das Mineral, das mir gezeigt wurde, war Schwefelkies, wie er auch in den ältern Gebirgsschichten der Malmedyer Gegend häufig vorkommt. Bei den geologischen Aufnahme-Arbeiten dort im vorigen Sommer hörte ich wiederholt, daß man bei Recht Versuche mache, Gold zu waschen. Ich habe auch eine Probe davon erhalten und dann persönlich dem Goldwaschen beigewohnt und zwar an der Rechter Mühle, dicht an der belgischen Grenze. Das Gold kommt daselbst in Ablagerungen von Schutt, bestehend aus Quarzgeröllen, Sand und Lehm vor. Diese Materialien sind durch Verwitterung des conglomeratischen Muttergesteins (grobe Conglomerate und Arkosen der ältern Eifeler Sedimentschichten) entstanden, in der Nähe der Schuttablagerungen auftretend. Das Waschverfahren ist ein ganz einfaches: man schaufelt das Material in eine geneigt liegende hölzerne Rinne, an deren unterm Ende ein Blechsieb angebracht ist und über die man aus dem nahen Bache Wasser unter stetigem Umrühren laufen läßt. Dabei gelangen die schlammigen Massen durch das Sieb in eine tiefere, ebenfalls schwach geneigt liegende Rinne. Die auf dem Sieb zurückgebliebenen Gesteinsbrocken werden zur Seite aufgehäuft; alsdann läßt man einen Wasserstrahl über die den Schlamm enthaltende zweite Rinne laufen, auf deren Boden sich das specifisch schwere Gold ablagert. Aber es waren davon nur einzelne kleine, kaum sichtbare Flitterchen, Blättchen und Körnchen vorhanden, einzelne wenige erreichten freilich die Dicke eines Stecknadelkopfes, die mittels Messers hervorgeholt wurden. Ein Korn Gold, angeblich bei andern Versuchen gefunden, das mir gezeigt wurde, hatte fast die Größe einer Erbse. Jedenfalls ist dieses Goldvorkommen in wissenschaftlicher Hinsicht ein recht interessantes. Wie bereits bemerkt, gehört das Muttergestein zu den ältern Gebirgsschichten der Eifel (unterstes Unterdevon, Gedinnien der Franzosen) und erstreckt sich mit den darauf lagernden phyllitischen Schichten von Viel-Salm über die belgisch-preußische Grenze, die Rechter Mühle, die großen Steinbrüche von Recht nach Montenau hin. Im Altertum, wohl zur Römerzeit, muß in dieser Gegend ein bedeutender Bergbau stattgefunden haben, denn man findet nicht nur in der Umgebung der Rechter Mühle, sondern auch etwa 8 km. nordöstlich von da, besonders zwischen Born und der Station Montenau eine fast unzählige Menge von kleinen Hügeln, die Halden von Goldseifen sein werden. Der erste Finder des Rechter Goldes, Bergverwalter Jung aus Bliesenbach, hat dasselbe auch bei Montenau nachgewiesen und hat in dem ganzen Gelände, in dem die kleinen Hügel vorkommen, Mutungen auf Gold bei der Bergbehörde eingelegt. In der Nähe der vielen Hügel in der Umgebung der Rechter Mühle sah ich viele schachtförmige Vertiefungen (alte Pingen) mit hohem Baumwuchs bestanden, die sicherlich von früherm Bergbau herstammen. Herr Jung hat die Gegend schon in den 70er Jahren durchsucht und vermutet, daß die vielen Hügel Halden von Seifen seien. v. Dechen, mit dem Jung damals in Briefwechsel trat, war anderer Ansicht, indem er ihm unter dem 27. Januar 1876 schrieb: „Die kleinen Hügel von Montenau habe ich hier und westlich von Recht an der belgischen Grenze gesehen. Es sind wohl keine Halden. Mit Halden von Goldwäschen, die ich bei Goldberg, Löwenberg, Bunzlau in Schlesien gesehen, haben dieselben keine Aehnlichkeit. Ebensowenig weist der Bestand derselben auf irgend ein sonst bekanntes Goldvorkommen hin. Ich habe sie für alte Grabhügel gehalten, obgleich bei einigen, die aufgeworfen worden sind, nichts gefunden worden ist.“ Derselben Ansicht, daß sie alte Grabhügel seien, war früher auch der Altertumsforscher Dr. Esser in Malmedy, er hält sie aber jetzt für Halden von Erzseifen, wie er mir unlängst mitteilte. Dafür spricht ihre geringe Ausdehnung — sie sind kaum 1 m hoch — und namentlich der Umstand, daß sie nur in Thalgründen unmittelbar an Bächen (Amelsbach, Emmelsbach, Rechter Bach u. s. w.) vorkommen. Es mögen im Altertum hier viele Arbeiter beschäftigt und eine größere Gewinnung von Metall im Gange gewesen sein. Nun, die Römer verfügten sicherlich über ganz billige Arbeitskräfte und es stand damals das Gold in weit höherm Werte als heute. Ob gegenwärtig noch eine Rentabilität zu erzielen ist, werden die weiteren Versuchsarbeiten ergeben.“

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