Note 30 — Anhang zur Stilistik.
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Sich entblöden bedeutet eigentlich „in den Zustand des Blödeseins eintreten“; die Vorsilbe ent ist hier nicht privativ, sondern inchoativ, d. h. sie drückt das Eintreten in einen Zustand aus, wie in: entblühen, entblößen, entschlafen usw. — Gegenwärtig ist von sich entblöden hauptsächlich die Verneinung „sich nicht entblöden“ in Gebrauch, und zwar in der Bedeutung: „sich nicht scheuen, sich erdreisten.“ Frisch in seinem Deutsch-lateinischen Wörterbuche I, 111 c und Grimm (Wörterbuch III, 499) erklären sich gegen diesen Sprachgebrauch; sie fassen die Vorsilbe ent- in entblöden als das privative ent- (im Sinne von weg, los) auf und legen infolgedessen dem Worte entblöden die gerade entgegengesetzte Bedeutung: „die Blödigkeit benehmen, beherzt machen“ bei. Zwar wird sich entblöden von einigen Schriftstellern in dieser letzteren Bedeutung gebraucht, z. B. von Wieland, Gleim u. a.; doch dieselben Schriftsteller wenden sich entblöden auch in der oben angeführten Bedeutung von „sich scheuen“ an, und der heutige Sprachgebrauch kennt nur noch diese Bedeutung, die zugleich die ursprüngliche ist. Vgl. hierzu meine Bearbeitung des Artikels „Entblöden“ in Eberhards synonymischem Handwörterbuche, 16. Aufl. S. 375 flg.