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Kaspar Hauser

Note 16 — IV.

Reading edition

Daß Kaspar wirklich Unterricht im Schreiben, und zwar regelmäßigen Elementar-Unterricht gehabt habe, dafür lieferte er, schon am ersten Morgen nach seinem Erscheinen zu Nürnberg, augenscheinlichen Beweis. Als der Gefangenwärter Hiltel an gedachtem Morgen zu ihm in sein Gefängniß kam, gab er ihm, um ihn zu beschäftigen oder ihm eine Freude damit zu machen, einen Bogen Papier nebst einem Bleistift. Kaspar fiel hastig über beides her, legte das Papier auf die Bank, setzte sich davor hin auf den Boden und fing zu schreiben an und schrieb, ohne aufzublicken oder sich durch irgend etwas darin stören zu lassen, unablässig fort, bis der ganze Folio-Bogen auf allen seinen vier Seiten voll geschrieben war. Dieser, bei den Polizei-Acten befindliche Bogen sieht nun nicht viel anders aus, als wenn Kaspar, der gleichwohl nur aus dem Gedächtnisse schrieb, eine Vorschrift, nach welcher Kinder beim ersten Schreibunterricht sich zu üben pflegen, eben jetzt vor sich liegen gehabt hätte. Dieser Bogen besteht nämlich aus Reihen von Buchstaben und Silben, von denen jede Zeile fast immer nur denselben Buchstaben, dieselbe Silbe wiederholt; am Ende der Seiten sind sogar, wie bei Kindervorschriften üblich ist, alle Buchstaben des Alphabets, wie sie auf einander folgen, wieder in Einer Zeile zusammengestellt und gegenüber stehen, in einer andern Zeile, die arabischen Ziffern, von 1 bis 0, ebenfalls in vollkommener Ordnung. Eine Seite des Bogens wiederholt immer den Namen »Kaspar Hauser.« Auch kommt darauf das Wort: reider (Reuter) mehrmals vor. Daß jedoch Kaspar über die ersten Elemente des Schreibens nicht hinausgekommen, geht aus jenem Probebogen ebenfalls klar hervor.

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