Note 229 — ZWEITES HAUPTSTÜCK.
Reading edition
Auf der Nordendorfer Spange, etwa aus dem 7. Jh. stammend, stehen die Runen
LOGAÞORE
ᛚᛟᚷᚧᛟᚱᛖ
WODAN
ᚹᛟᛞᚨᚿ
L
ᛚ
WIGIÞONAR
ᚹᛁᚷᛁᚧᛟᚾᚨᚱ
Die Götternamen Wodan und Þonar, bei welch letzterem nur das übergeschriebene L Bedenken erregt, dürfen der Gewandspange des alemannischen Gräberfeldes wol bestimmt zugewiesen werden. Offenbar wird ihre Hilfe zu irgend einer feierlichen Handlung erfleht. ƕîgi ist Imperativ zu *ƕîgian, weihen, also Þonar, weihe, heilige! *lôga stf. meint Einsetzung, Verheiratung; afries. logia verheiraten, *þoren (an. þora) bedeutet ereilen, ersiegen. Man denke an den Brauch der Raubehe, die dem kriegerischen Wodan unterstellt gewesen sein mag, an den Wettlauf um die Braut u. dergl. „Die Heirat ersiege, Wodan, weihe, Donar!“ Ein alter feierlicher Hochzeitswunsch würde auf einer Gewandspange, einem passenden Hochzeitsgeschenk sich sehr wol ausnehmen. Darum verdient Hennings Erklärung immerhin den Vorzug, wenn gleich ein sicheres und unzweifelhaftes Ergebniss damit nicht erreicht ist. Zur Nordendorfer Spange Dietrich, ZfdA. 14, 75 f.; C. Hofmann, Sitzungsberichte der Münchener Akademie 1866 Band 2, 138 ff., 207 f. Stephens, runic monuments I, 574 ff.; III, 157; Henning, Die deutschen Runendenkmäler, Strassburg 1889, S. 87 ff. Über die gefälschte Runenschrift WODANAHAILAG auf der Spange von Kehrlich bei Andernach Henning, a. a. O. 156.