Note S. 127, N. 1 — PREFACE.
Reading edition
[1] Say ‘The character of Charles the Great (S. 53, N. 9)’. Karl der Große König der Franken und später römischer Kaiser, wurde am 2. April 742, wahrscheinlich zu Aachen, geboren und war der Sohn Pipins des Kleinen und der Enkel Karl Martells, dessen Siege über die Sarazenen in dieser Lektion erwähnt werden. Nach dem Tode seines königlichen Vaters (768) trat er gemeinschaftlich mit seinem Bruder Karlmann die Regierung an, ward aber schon im Jahre 771, durch den Tod seines Bruders und die Ausschließung der Söhne desselben vom Throne, Alleinherrscher über alle Franken, von den Pyrenäen bis zum Niederrhein und zum Meere, auch in Deutschland über die Bayern, Thüringer und Alamannen. Durch zahlreiche Kriege erweiterte er jedoch die Grenzen seines Reiches sehr bald, und zwar nördlich bis zur Eider, südlich bis zum Ebro und nach Unteritalien, und östlich bis zur Saale, dem Böhmerwalde und der Theiß, bis er im Jahre 800 vom Papste Leo III. im St. Peters Dom zu Rom feierlich als römischer Kaiser gekrönt wurde. Er starb am 28. Januar 814. In Karl dem Großen, wie ihn die Geschichte mit Recht benannt hat, war der Begründer der staatlichen Ordnung für die gesammte Germanenwelt erschienen. Seine Lebensaufgabe, die ihm von Anfang an feststand, war, alle deutschen Stämme in den einen fränkischen Reichsverband und in die eine christliche Kirche zusammenzufassen. Dem besten Teile nach ist sie ihm gelungen, und so hat er der nachfolgenden Zeit, dem ganzen Mittelalter, das Gepräge seines Geistes aufgedrückt. In niemand stellt sich die echt deutsche Art der alten Zeit so herrlich dar, als in ihm. Als er die Krone erhielt, zählte er erst 26 Jahre, stand also in der Kraft und Blüte der Jugend. Er war von gewaltiger Körpergröße, eine Heldengestalt, und von nicht minder gewaltiger Körperkraft, so daß er beim fröhlichen Waidwerk den Kampf mit dem wilden Auerochsen in den Ardennenwäldern wie ein Spiel aufnahm; überhaupt von jener Lust an Krieg und Gefahr, wie sie den abenteuernden Heerkönigen der Völkerwanderung eigen gewesen war; in den wichtigen Dingen der Welt von jener Härte und Rücksichtslosigkeit, die noch keinem großen Manne gefehlt; und ebenso im kleinen Leben des Hauses und des täglichen Verkehrs von jener Milde, Heiterkeit und Frische des Gemütes, die so gerne Gefährten echter Größe sind. Alle diese Eigenschaften hatte er mit seinem damaligen Volke gemein; was ihn aber über dasselbe erhob, das war der weitschauende Geist, der dem alten Römertum das Vorbild eines weltumfassenden Staates abgelernt hatte, und der dies Muster ohne knechtische Nachahmung dem so ganz andern germanischen Wesen anzupassen wußte. Und zwar ist dieser Geist, der sich in ihm offenbarte, um so wundervoller, weil niemand nachweisen kann, wie er sich gebildet, und wer ihn so gelehrt und erzogen hat. Aus dem Dunkel seiner Zeit geht er, im eigenen Lichte leuchtend, auf.