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Erziehung zur Mannhaftigkeit

Note 10 — X. Fragen ans Gewissen.

Reading edition

»Der Deutsche und sein Vaterland, politisch-pädagogische Betrachtungen eines Modernen«, Verlag von Wiegand & Grieben in Berlin SW. 11. (Preis Mk. 1,50; gebunden Mk. 2,25.)

Prof. Dr. Ed. Heyck in der Wochenschrift »Deutsche Heimat« (VI. Jahrg. Heft 16): »Jetzt ist innerhalb von kaum vier Monaten die fünfte Auflage erschienen, was genug besagt. Lebhafter Beifall zu dieser mutigen Kritik und These, die mit ihren umfassenden Gesichtspunkten das neue Deutschtum und die vaterländische Zukunft durch eine frische Jugenderziehung und ein gründliches Vergnügungsbad der herkömmlichen Pädagogik gefördert, anstatt gehemmt und verbildet sehen will, ertönt von allen Seiten, auch aus Lehrer- und Fachblättern; falls Ablehnung vorhanden ist, so hält sie sich, soviel wir sehen, schweigsam oder kleinlaut.«

… Das Buch erscheint mir geradezu als ein Zeichen der Zeit. Wenn solche Beobachtungen, Anschauungen und Erkenntnisse, wie sie hier mit überzeugungsvoller Wärme vorgetragen werden, schon aus dem politischen Milieu des Verfassers heraus sich entladen, so berechtigt das wohl zu dem Schluß, daß auch in diesen Kreisen die geistig selbständigen Elemente beginnen, gewisse Zustände als unhaltbar zu empfinden … Die Ausführungen geben reichlich Stoff zum Nachdenken … Kastengeist, Bureaukratie, Bevormundungs- und Berechtigungswesen. Bedientenhaftigkeit und gesinnungsloses Strebertum zählen nach Gurlitts Meinung, die auch die des Türmers ist, zu den schlimmsten Feinden …

Der Türmer.

Der Erfolg dieses Buches ist der eines ernsten Manneswortes, der Widerhall tiefgehender Mahnungen, die der Verfasser an das deutsche Volk richtet, der Erfolg des mutigen Vorkämpfers, der sich nicht scheute, die Wahrheit zu sagen, und das, was viele im stillen mit ihm besorgt und geahnt haben, furchtlos aussprach … Gurlitt wünscht energisch die Beseitigung der an hohen Schulen üblichen »geistigen Überfütterung«.

Regierungsrat Dr. Herm. Muthesius in der Deutschen Monatsschrift.

»Diese Schrift hat mich beinahe eine Nacht gekostet … da ich zu blättern anfing, las ich auch zu Ende … Ich ahnte nicht, daß man schon im konservativen Lager so denkt; da kann ja noch alles gut werden. Und ich wußte auch nicht, daß schon so viel verständige Stimmen vor dem Verfasser ähnliche Gesinnung geäußert haben, wie aus reichlichen wohl verwandten Zitaten hervorgeht … Kurz, ich wünsche dem Buch viele Leser und noch mehr eine gute Wirkung in Höhe, Breite und Tiefe.«

D. Rade in der Christlichen Welt.

Kaum minder günstig nahm die Presse meine zweite Schrift auf: »Der Deutsche und seine Schule« (ebenda, 2. Auflage, 4. und 5. Tausend, 1906. Preis Mk. 2.–, gebunden Mk. 3.–).

Auch hierzu einige Preßstimmen:

»An Reden, Artikeln, Flugschriften und dickleibigen Büchern gegen die sogenannte humanistische Mittelschule fehlt es seit Jahren nicht mehr, und die alte Ausrede, daß nur minderwertige Menschen, Halbgebildete, Banausen nach Reform schreien, ist ja wohl auch längst durch Namen allerersten Ranges widerlegt. Aber der Sturm wurde immer wieder von Uneingeweihten, die Verteidiger des Gymnasiums sagten von ›Unberufenen‹, unternommen, denen die Altphilologen in geschlossener Phalanx nach allen Regeln der antiken Kriegskunst standhielten. Deshalb war alles Sturmlaufen umsonst, und die Sehnsucht nach einem Verräter war groß; jetzt haben wir ihn, den heißgewünschten Ephialtes – jetzt ist der ungleiche Kampf in ein neues Stadium getreten, seit Ludwig Gurlitt aufgetreten.

Sein Buch: »Der Deutsche und seine Schule« ist in mehr als einer Beziehung ein Markstein in der Entwicklung der neuesten deutschen Kultur, in Form und Inhalt, im ganzen Ton, und vollends in den angedeuteten Zielen. Es ist vor allen Dingen ein Ich-Buch.

Kenner der vorliegenden Frage und der einschlägigen Literatur werden wahrscheinlich nach den gegebenen Proben große Gesichtspunkte, Tiefe der Auffassung vermissen; sie werden vielleicht finden, daß Gewichtigeres in zwingenderer Form, mit mehr Zusammenhang und Schärfe vorgetragen wurde. Gewiß, es ist kaum Neues im Buche Gurlitts zu finden; der Gedankengehalt wäre vielleicht auf wenigen Seiten darzustellen gewesen. Aber wer in aller Welt verlangt nach neuen Gesichtspunkten und tief durchdachten Sätzen, wo es gilt, einleuchtende Wahrheiten so laut als nur möglich in die Welt hinauszuschreien, daß auch die Schwerhörigsten, Gleichgültigsten sie hören müssen? Seit Macaulay ist alles Gescheite gegen das Gymnasium vorgebracht worden, aber niemals von so kundiger, so berufener Seite und vielleicht nie in so unmittelbar-anschaulicher, so wirkungsvoll-überzeugender Weise.«

Leon Keller im »Neuen Wiener Tagblatt«.

Der bekannte pädagogische Schriftsteller Oberlehrer Dr. Otto Anthes schreibt in dem »Hauptorgane des deutschen Lehrervereins«, in der »Pädagogischen Zeitung« (4. Januar 1906):

»Es mehren sich die Zeichen, daß die Pädagogik drauf und dran ist, ihr Haupt, das sie nun lange genug in das niedere Gestrüpp der Kleinigkeitskrämerei geduckt hat, wieder zu erheben und in die frische Höhenluft hinaufzuwachsen, in der sie allein gedeihen kann. Sie will nicht mehr ein Handwerk sein wie jedes andere auch, das man ausüben kann, wenn man seine Griffe und Kniffe weg hat; sie will eine freie Kunst werden. Sie strebt aus der philisterhaften Enge, in der die Spießer das große Wort führen, hinaus in die Weite, wo Persönlichkeiten wirken können. Man sieht allmählich ein, daß noch verzweifelt wenig getan ist, wenn man dem jungen Deutschen Lesen und Schreiben und all die anderen schönen Dinge, die zur »Bildung« gehören, in möglichst kurzer Zeit beigebracht hat; es bricht sich wieder die Erkenntnis Bahn, daß die Erziehungskunst berufen ist, dem Vaterland den größten Dienst zu leisten, der ihm geleistet werden kann: daß sie berufen ist, ihm starke und fröhliche Menschen zu schaffen.

Auf dieser Linie marschiert Gurlitts Buch.«

In der »Preußischen Schulzeitung« (10. Februar 1906) fand sich ein nicht minder zustimmender Bericht von Mariaschk, der mit den Worten schließt:

»Möchte der Volksschule auch einmal ein so tapferer Anwalt erstehen, der mit eiserner Faust alle ihre Fesseln zerschlüge: Herrschaft der Kirche, Bevormundung der Lehrer, peinlich detaillierte Lehrpläne usw. und der ihre Pforten einer neuen Lehre und einem freieren Geiste öffnete!«

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