Note 50 — 17. Die nächtlichen Kirchengänger.
F. (Ferdinand) Löwe translation
Die Esten unterscheiden zwischen wanad jõulud alte Weihnacht und uued jõulud neue Weihnacht. Die letzteren sind identisch mit Neujahr, so daß in vorchristlicher Zeit das estnische Jahr um Weihnacht begonnen haben muß, wie in Skandinavien und Deutschland. Die Benennung jõulud kommt dem nord. Julfest zu nahe, als daß man den Zusammenhang beider Namen bezweifeln könnte. (Vgl. Boecler-Kreutzwald der Ehsten abergl. Gebr. S. 92 u. 93. Rußwurm Eibofolke § 340). Uebrigens ist in diesem Märchen, wie in manchen andern der Sammlung eine gewisse Sympathie für die heidnischen Erinnerungen noch nicht erloschen — ein Bestreben, die heidnischen Anschauungen gegenüber dem Christenthum noch nicht ganz fallen zu lassen. Der estnische Landmesser J. Lagus in Walk, dem wir die Aufnahme alt-estnischer Gebets- und Zauberformeln verdanken, erhielt (1849) über den »Versöhnungsglauben oder Taaradienst« folgende Auskunft: Der Versöhnungsglauben oder Taaradienst war vor dem Mönchsglauben, und zu des Mönchsglauben Zeit ward in den Kirchen in lateinischer Sprache gelesen und die Mönche fürchteten des Versöhnungsglaubens Zauberer (Weise) sehr, welche die alten Gebete und Opferworte verstanden. Vgl. Kreutzwald und Neus, myth. und mag. Lieder der Ehsten S. 11 u. 12. L.