Note 79 — 17. Die Unterirdischen.[79]
F. (Ferdinand) Löwe translation
Die Unterirdischen (ma-alused) »die geheimen Schmiede Allvaters« schaffen bei nächtlicher Weile und ruhen am Tage. Legt man zwischen Weihnacht und Neujahr um Mitternacht das Ohr an die Erde, so hört man das Schmieden der als Zwerge gedachten Unterirdischen — ja man unterscheidet, ob Eisen, Silber oder Gold bearbeitet wird. In der Neujahrsnacht werden sie sichtbar und treiben mit dem nächtlichen Wanderer Schabernack. Da die Unterirdischen in der Weihnachts- und Neujahrsnacht auch in menschlicher Gestalt erscheinen, so ist man gastfrei gegen jeden Unbekannten; läßt auch den Tisch mit Speisen besetzt stehen und verschließt die Speisekammer nicht. Nach Rußwurm, Sagen aus Hapsal und der Umgegend, Reval 1846, S. 20, erhalten die Unterirdischen, was am Sonnabend Abend oder Donnerstag Abend ohne Licht gearbeitet wird. Die Unterirdischen verlieben sich zuweilen in schöne Mädchen, woraus beiden Theilen Leid und Unheil erwächst. Die verlassenen Bräute hören noch Wochenlang das nächtliche Wehklagen der Geister, und werden von diesen geplagt, wenn sie später Verbindungen mit ihres Gleichen eingehen.
Die Unterirdischen wollen nicht gestört sein; wer sich (erhitzt!) auf den feuchten Boden setzt, unter welchem sie gerade hausen, wird mit einem Hautausschlag bestraft, der Erdhauch (norweg. alvgust, Elb-, Elf-Hauch) oder Erdzorn heißt, und den man heilt, indem man die Urheber durch ein Opfer von geschabtem Silber besänftigt. (Nach Kreutzwald und Neus.)
Die finnischen maahīset, denen diese ehstnischen Unterirdischen (ma-alused) entsprechen, bezeichnen nach Castrén (finn. Mythol. S. 169) eine eigene Art von Naturgeistern, die sich in der Erde, unter Bäumen, Steinen und Schwellen aufhalten; es sind unsichtbare aber menschenähnliche Zwerge reizbarer Natur, die mit Hautkrankheit strafen. Man ehrt und nährt sie. — Mit den Haus- und Schutzgeistern hängen die finnischen und ehstnischen Unterirdischen nicht zusammen, wenn auch in ehstnischen Beschwörungsformeln die Schlange als Unterirdische bezeichnet wird, und wenn auch der Schlangencultus noch vor nicht gar langer Zeit geübt wurde. L.