Note 75 — 15. Rõugatajas Tochter.
F. (Ferdinand) Löwe translation
Rõugataja, dessen Frau hier (wie im Märchen 13 S. 173) eine so häßliche Rolle spielt, erscheint im Kalewipoëg II. 501 ff. als geburtshelfender Gott. Er und der Gott Ukko, welcher gleichbedeutend ist mit dem Fruchtbarkeit verleihenden Obergotte Tāra treten an das Lager der kreißenden Wittwe Linda, welche ihre Hülfe angerufen hatte, und nachdem beide Götter eine Stunde bei ihr geweilt, kommt der Kalewsohn glücklich zur Welt. Nach Castrén. Vorl. S. 45, wurde der finnische Ukko nur bei schweren Kindesnöthen in Anspruch genommen. Auch sonst kennt die ehstnische Ueberlieferung den Rõugataja als Schützer der Wöchnerinnen und Neugeborenen; auch bei Heirathen wurde ihm geopfert, damit der mütterliche Schooß nicht unfruchtbar bleibe. S. Kreutzwald zu Boecler S. 18. 42. 43. Dann tritt Rõugataja mit abgeschwächter Bedeutung nur noch als Schutzgott der Neugeborenen auf, den die Wärterinnen beim ersten Bade eines Kindes, so wie beim Baden kranker Kinder anrufen. Ebend. S. 49. 53. 54. u. Kreutzwald u. Neus, myth. u. mag. Lieder S. 108. Zuletzt ist der Gott Rõugataja (etwa wie Knecht Ruprecht) zum Popanz entstellt, mit welchem man die Kinder erschreckt und beschwichtigt. — Der Name, der auch in der Form Raugutaja vorkommt, scheint mit dem finnischen Roggen- oder Saatengott Ronkoteus zusammenzuhängen. Daß ein Gott der Saaten mit dem Gebären des Weibes in Verbindung gesetzt wird, kann nicht auffallen, auch Thor ist Saatgott und zugleich Gott der Ehe, und der Mythus von der Persephone weist auf dieselbe Combination. Die griechische Braut betritt mit gerösteter Gerste das Haus des Bräutigams. Auffallend ist es, daß die ehstnische Mythologie, die doch sonst an weiblichen Personificationen reich ist, keine Gestalt wie die griechische Eileithyia, oder die römische Lucina aufzuweisen hat. L.