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Die Traumdeutung

Note (100) — VI. Die Traumarbeit.

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Die geträumte und wahrscheinlich im Traume verspürte Beschwerde, das mühselige Steigen unter Dyspnoe, ist eines der Symptome, die der Patient vor Jahren wirklich gezeigt hatte, und wurde damals im Vereine mit anderen Erscheinungen auf eine (wahrscheinlich hysterisch vorgetäuschte) Tuberkulose bezogen. Wir kennen bereits diese dem Traume eigentümliche Sensation der Gehhemmung aus den Exhibitionsträumen und finden hier wieder, daß sie als ein allezeit bereit liegendes Material zu Zwecken irgend welcher anderen Darstellung verwendet wird. Das Stück des Trauminhaltes, welches beschreibt, wie das Steigen anfänglich schwer war, und am Ende der Anhöhe leicht wurde, erinnerte mich bei der Erzählung des Traumes an die bekannte meisterhafte Introduktion der »Sappho« von A. Daudet. Dort trägt ein junger Mann die Geliebte die Treppen hinauf, anfänglich wie federleicht; aber je weiter er steigt, desto schwerer lastet sie auf seinen Armen, und diese Szene ist vorbildlich für den Verlauf des Verhältnisses, durch dessen Schilderung Daudet die Jugend mahnen will, eine ernstere Neigung nicht an Mädchen von niedriger Herkunft und zweifelhafter Vergangenheit zu verschwenden(100). Obwohl ich wußte, daß mein Patient vor kurzem ein Liebesverhältnis mit einer Dame vom Theater unterhalten und gelöst hatte, erwartete ich doch nicht, meinen Deutungseinfall berechtigt zu finden. Auch war es ja in der »Sappho« umgekehrt wie im Traume; in letzterem war das Steigen anfänglich schwer und späterhin leicht; im Roman diente es der Symbolik nur, wenn das, was zuerst leicht genommen wurde, sich am Ende als eine schwere Last erwies. Zu meinem Erstaunen bemerkte der Patient, die Deutung stimme sehr wohl zum Inhalt des Stückes, das er am Abend vorher im Theater gesehen. Das Stück hieß: »Rund um Wien« und behandelte den Lebenslauf eines Mädchens, das zuerst anständig, dann zur Demimonde übergeht, Verhältnisse mit hochstehenden Personen anknüpft, dadurch »in die Höhe kommt«, endlich aber immer mehr »herunter kommt«. Das Stück hatte ihn auch an ein anderes, vor Jahren gespieltes, erinnert, welches den Titel trug: »Von Stufe zu Stufe«, und auf dessen Ankündigung eine aus mehreren Stufen bestehende Stiege zu sehen war.

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