Note 11 — Kapitel VI.
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Merkwürdigerweise hat sich zusammen mit dem Ausdruck: »die Luft verpesten« auch in weiten Kreisen ein Irrtum erhalten, der den unklaren und falschen mittelalterlichen Vorstellungen vom Wesen und der Entstehung von Seuchen entspricht und selbst in den Kreisen der Journalisten bedauerlicherweise noch lebendig ist: Als am Ende des Jahres 1908 die furchtbare Erdbebenkatastrophe Messina vernichtet hatte, brachten die Tageszeitungen wiederholt die Meldung, man befürchte, die verwesenden Leichen könnten zur Entstehung von Seuchen Anlaß geben. Ja, ein sehr verbreitetes Blatt ließ sich sogar telegraphieren, man beabsichtige, durch ein Bombardement der Trümmerstätte dem Ausbruch der Pest vorzubeugen. Dies Bombardement ist mit Recht unterblieben, denn die italienischen Behörden wußten über Seuchenentstehung besser Bescheid als jener Korrespondent. Sie wußten, daß eine Pestepidemie durchaus nur im Anschluß an Pestfälle – bei Menschen oder Tieren – entstehen kann. Da nun vor dem Erdbeben sicher kein Pestfall in Messina vorhanden war, konnte sich auch aus den Leichen kein solcher »entwickeln«, denn die Pesterreger entwickeln sich ebensowenig durch »Urzeugung« wie andere Bakterien. (Vgl. die Einleitung zu diesem Bändchen.)