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Die Frauenfrage im Mittelalter

Note 18 — Inhalt.

Reading edition

Im Folgenden gebe ich das Verzeichnis sämtlicher in Frankfurter Akten und Urkunden bis zum Jahre 1500 vorkommenden weiblichen Berufsnamen. Dieselben sind einer seit vielen Jahren von mir angelegten Sammlung der Berufsbezeichnungen entnommen, die hauptsächlich auf fortlaufend über die Bevölkerung geführte Akten (Steuerlisten, Bürgerverzeichnisse, Bürgerbücher u. dergl.) zurückgeht und nicht bloss das Vorkommen eines Berufs, sondern auch die Zahl der Berufsangehörigen festzustellen versucht. Sie wird demnächst in den Abhandlungen der Kgl. sächs. Gesellschaft der Wissenschaften veröffentlicht werden. Bei den nachstehenden Listen sind vier leicht verständliche Kategorien weiblicher Berufsarbeiter unterschieden; zwischen den drei letztgenannten sind natürlich die Unterschiede fliessend. Denn obwohl wenig Berufstätige des XIV. und XV. Jahrhunderts mir bei meinen Sammlungen entgangen sein werden, so liegt es doch schon in der Natur des Quellenmaterials, dass die Männer vollständiger erfasst werden mussten. Weibliche Berufsnamen, die sich auf Ehefrauen und Witwen männlicher berufstätiger Personen beziehen (z. B. beckern, bendern, smiden) mussten natürlich ausgeschlossen bleiben, da das Verzeichnis nur Fälle selbständiger oder abhängiger weiblicher Berufstätigkeit enthalten sollte, nicht aber den Fortbetrieb eines Handwerks durch sie oder blosse Hilfeleistung beim Gewerbe des Mannes durch dessen weibliche Familienglieder. Natürlich ist bei einer solchen Aussonderungsarbeit manches dem Gefühl des Bearbeiters anheimgegeben; aber ich glaube keinen Beruf in die Listen aufgenommen zu haben, der nicht im Mittelalter nachweisbar von Frauen betrieben worden ist. Mehrfach kommen verschiedene Namen für dasselbe Gewerbe vor. Dass die weibliche Namensform auch bei solchen Gewerben angegeben ist, die vorzugsweise von Männern betrieben wurden, wird keiner Rechtfertigung bedürfen.

I. Berufe, für die nur weibliche Namen vorkommen.

Altartuchmacherin

amme

bortenmechern

bendelern

besenmechern

besendregern

bettebereidern

bettemachern

bettfegern

brustleddern

drollern

federmechern

filzern

fronegertern

garnfrauwe

gilerhaltern

goltspinnern

harmedern

hebeamme

hemdenmechern

hosenstrickern

hudeferbern

hudelferbern

hudelstrickern

hullenmechern

hullenweschern

hulleryhern

huwenweschern

kindeschuwern

kleiderhocke

kleidermeit (in einer Badstube)

klunkenersen

knaufelern, knaufelmechern

lerfrouwe

lichthocke

lichtmechern

linennewersen

lutterdrengkern

magit, meit, dinstmeit

melmengern, melefeilern

messemeit

nedersen

noppersen

pelzmechern

radspinnersen

reubelern

rinkengießern

rufelern

salzmengern

samenfrau

schonebeckern

sleierweschern

spinnersen

sterkern

strelemagit

wachern

wirkersen

wollenbeslagern

wollenbesnidern

wollenlesersen

wurzfrauwe

ziedelmachern

zimpelern

zirkelern

zwirnmechern

II. Berufe die vorzugsweise von Frauen ausgeübt wurden.

appelmengern

boppenmalern

bierbruwern

daubeckern

eiermengern

essigmengern

ganshirten

gufenern

gulichtern

hafermengern

heringmengern

hullenkouffern

hullenwobern

kemmersen

krudern

mattenmechern

snormechern

III. Berufe, in denen Männer und Frauen gleich häufig vorkommen.

altgewendern

boternhocke

bademeit

fiedelern

vigenhocke

fladenbeckern

hocke, hockin

horneffen

hunermengern

hunerkeufern

kelnern

kerzenmechern

kesemengern

kindelerern

klingenern

lenegadern

lerern

lutenslehern

mentelern

milchern

notschern

obessern, obsern

obismengern, obshockern

oleiern

oleihocke

rubingrebern

salzfrauwe

schappelmechern

scheppelern

selzern

senfmengern, senffrauwe

sleiermengern, sleierfrauwe

smersnidern

spitzenmecherin

spulersen

stobenheissern

strickern

wennern

IV. Berufe, in denen Frauen seltener vorkommen als Männer.

abenturern

augenerzten

briefdragern

briefdruckern

budelern

burstenmechern

deckelechern

deschenmechern

torwechtern

duchscherern

duchspulern

erzten

essigfrauwe

federmengern

fehehirten

flechtenmechern

vorkeuffern

fuderern

gadenfrouwe

gengelern

geukelern

gewendern

haumengern

hentschumechern

hirten

hudekouffern

hudemechern

huderuppern

klaibersen

kochin

kolschebeckern

copeyern

korbern

kremern, kremersen

kursenern

lantfarern

lebekuchersen

ledersmerern

leistmechern

leufern

linwedern

malern

menkelern

melbern, milwern

mottersen

naldenern, nadlern

paternosterern

piffern

portenern

pulern

rosindragern

rußen, leppern

schekelern

schellendregern

scherensliffern

scherern, bartscherern

schiffrauwe

schornsteinfegern

schulmeistern

schusselern

seifenmechern

senfmechern

sidenstickern

simelern

slaghudern

snidern

snitzern

sporleddern

stazionerern

suhirten, suern

ulnern

underkeufern

wechtern

welkern

weschersen

wesselern

wollenslegern

wurzelern

wurzemengern

ziechenern

zehenern

zolnerin

Dass das vorstehende Verzeichnis vollständig sei, ist kaum anzunehmen. Nicht immer findet sich für eine Beschäftigung auch eine Berufsbezeichnung. Es treten dann wohl Umschreibungen auf. So findet sich in den Bedebüchern der Niederstadt von 1405 und 1406 Bl. 17 a, bez. 31 b: Else mit den hunden; sie wohnt in der Dieterichsgasse, wo allerlei armes Volk hauste, gab also wohl mit abgerichteten Hunden Vorstellungen. — 1372 Bdb. der Oberstadt 12 a: Else Leuben in dem kellerchen, die da kolen veyle hat, also eine Kohlenhändlerin. — 1359 Bdb. Oberst. 20 b: Katherine, dye daz crute hudet; Bedeutung unklar. — 1399 Bdb. Niederst. 14 a: Kedder, die die swebelkirzen dreit, also einer Verfertigerin oder Verkäuferin einer bestimmten Art von Kerzen. — 1424 Bdb. Oberst. 19 b: ein arm frauwe, dye der gefangen torin wartit umb gottis willen, also eine Wärterin bei einer Geisteskranken. — 1397 Heiligenbuch 32 a: eyne kolsche frauwe, die scheren feile hat vor dem Schrothuse; 1472 im Marktrechtbuch 5 b: die frauwe mit dem Colneschen zynwerg (beide als Verkäuferinnen auf der Messe). Dazu kommt eine Reihe unerklärbarer, aber auf Berufstätigkeit hinweisender Benennungen weiblicher Personen (z. B. weibelern, ulselmechern, setzependin, muselern).

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