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Deutschlands Beruf in der Gegenwart und Zukunft

Note 64 — Zweiter Theil. Deutschland und Europa. (continued 3)

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Das Bestreben, den Staat zum Abdruck der innern Ordnung zu machen, ist das was sich durch alle Staatsverfassungen von den ältesten bis auf die französische Gleichheit hindurchzieht. „Der Mensch soll in dem Range sein und bleiben, den er ursprünglich von Geburt einnimmt:“ dieß war der älteste Grundsatz, aus welchem, weil man die „Geburt“ materiell auffaßte, die indischen und ägyptischen Kasten entsprangen. Rousseau ging von der richtigen Ansicht aus, daß man, um den wahren Staat zu finden, den Ur- und Naturzustand suchen müsse. Statt aber diesen in der Seele zu suchen, suchte er ihn in der frühesten Geschichte. Auch hier hätte er ihn noch finden können (denn die Menschen waren von Anfang an innerlich verschieden), wurde aber dadurch getäuscht, daß die frühesten Menschen und die Wilden, (weil das Bewußtsein der innerlichen Verschiedenheit bei ihnen noch weniger entwickelt ist) noch mehr in der Gleichheit verharren. Rousseau’s Ansicht wäre nur dann die richtige, wenn das Menschengeschlecht von Gott ursprünglich mit gleichen Fähigkeiten geschaffen, im Laufe der Zeit aber (durch eine Art von Fall) in die Verschiedenheit ausgeartet wäre; welches, wie jedermann weiß, undenkbar ist. In jedem Falle mußte diese Philosophie, um sich im Leben zu verwirklichen, umwälzen. Das Ideal, welches oben aufgestellt ist, knüpft an das Bestehende an, und hat Nichts zu thun, als es allmälig zu vergeistigen. Die Elemente sind alle vorhanden, und die Staatskunst besteht einfach darin, sie nach und nach zu sichten. Das psychologische Gesetz ist also vor allem für die von Wichtigkeit, welche an der Spitze der Staaten stehen. Es kann diesem Ideale beständig im Einzelnen nachgestrebt werden, selbst wenn man im Ganzen es für unerreichbar hält.

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