Note 43 — Zweiter Theil. Deutschland und Europa. (continued 3)
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Gewiß gibt es kein Land in Europa, welches mit der lebendigsten, natürlichen Einheit des nationalen Verbandes so ausgeprägte Provinzialitäten verbindet als Deutschland, keines, das so gut geeignet wäre, zwischen dem starren Centralismus der heutigen Staaten und dem reinen Föderalismus zu vermitteln. Da wir hier uns nur mit dem Allgemeinen beschäftigen, so gehört es nicht hieher, die einzelnen Provinzialcharaktere durchzugehn. Doch bietet sich die Gelegenheit, darauf hinzudeuten, wie der Völkerorganismus, den wir zuerst auf dem Kontinent überhaupt, dann in Europa gefunden haben, in ähnlicher Art auch in Deutschland, als dem Herzen Europas, wiederkehrt. Jene vier Grundstämme (welche im Welttheil die vier Familien bilden) zeigen sich hier als fränkischer, schwäbischer, sächsischer und bairischer Typus. Und wie die Familie in je drei Nationen, so ist hier der Stamm in je drei Hauptarten gespalten: der fränkische in Ostfranken (Maingebiet), in Westfranken (Rheinpfalz, Mosel und Niederrhein) und in Flamänder; der schwäbische in Schwaben, Alemannen und Schweizer; der sächsische in Obersachsen (Thüringen und Königreich Sachsen), Niedersachsen (Hannover, Braunschweig, Westphalen) und Friesen; der bairische in westliche Baiern, östliche Baiern (östreichische Raçe) und Tyroler. Wir sahen in Europa, daß je das dritte Glied jeder Familie eigenthümlich gestellt sei; so tritt auch hier der Besonderungstrieb hervor in den Flamändern (Belgien), den Friesen (Holland), den Schweizern und den Tyrolern. (Daher früher gesagt worden, daß Natur allerdings der Separat-Geschichte jener drei Länder zu Grund liege.) Es versteht sich übrigens von selbst, daß hiemit nur die germanischen, nicht die germanisirten Provinzen von Deutschland gemeint werden. Die letztern in Eins zu fassen, war der Beruf der zwei großen Monarchieen.