Note 7 — Erster Theil. Deutschland und seine Geschichte.
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Die systematische Philosophie gehört nicht hieher, weil sie immer Schule geblieben ist, und als solche des unmittelbaren Einflusses aufs Volk ermangelt, wie die Literatur ihn hat. Doch seien hier einige Worte über den Zusammenhang erlaubt, der mir zwischen ihr und der Entwicklung des protestantischen Prinzips in Deutschland und in der Geschichte überhaupt stattzufinden scheint. — Ich finde im Leben des Protestantismus zwei große, scharf geschiedene Perioden: die erste die Zeit der Emancipation von mittelalterlicher, päpstlicher und kirchlicher Autorität, ihr Urbild Luther; die zweite die Zeit der Entfesselung des Geistes schlechtweg, ihr Urbild Lessing. (Luther und Lessing sind daher die Marksteine aller deutschen Geschichte seit dem Anfang der neuern Zeit. Auch das reformirte Princip hat, nur schneller und kühner, jene zwei Stadien durchlaufen; im ersten Stadium fertiger als das lutherische und weltbewegender [in der englischen Revolution &c.], im zweiten Stadium negativer, und Mutter des Deismus und Skepticismus, hat es seine Geschichte bereits geendigt; denn die negative Weltanschauung ist gerichtet. Daher auch die Union. Die lutherische Tendenz dagegen, wie sie in Lessing ausgesprochen ist, mit ihrem tiefen positiven Kern, hat ihre wahre Zukunft erst vor sich). Demgemäß, und gleichlaufend, sind auch in der systematischen Philosophie zwei Phasen bemerkbar: die erste bis Kant die Zeit der halben, noch befangenen Freiheit, wie sie in Descartes, die zweite von Kant an die Zeit der vollkommnen Emancipation von den christlichen Fesseln, wie sie in Spinoza vorbildlich ist. So erscheint Leibnitz noch gebunden, wenigstens theilweise, von der Autorität der Offenbarung und kirchlicher Dogmen; ein riesenhaftes Wissen ersetzt bei ihm den Mangel der spekulativen Idee, welche, urfrei und urkräftig, alle Gebiete durchdringt; und nach ihm sinkt unter Wolf die Philosophie in die alten scholastischen Bande zurück. Davon befreit durch Kant, beginnt sie von nun an aufs schärfste, in ihrer Weise dieselben Ideen auszusprechen, welche gleichzeitig die literarische und politische Welt bewegen. So tritt in Kant die Aufklärung, in Fichte die Revolution, in Schelling die Restauration, in Hegel endlich das Justemilieu hervor. Daher der ungeheure Einfluß der Hegel’schen Ideen in Deutschland, und ihre Verwandtschaft mit dem preußischen Staate (welcher, freilich jetzt viel restaurativer geworden, Schelling an sich zu ziehen sucht); eben daher ihr Zerfließen in unendlich verschiedene und entgegengesetzte Ansichten. Es ist aber der Friede, welchen Hegel zwischen Glauben und Unglauben gestiftet hat, nur ein Scheinfriede, gleich dem des politischen status quo; und die Hegel’sche Versöhnung verhält sich zu einer wahrhaftigen gerade so, wie die künstliche, trügerische Protokollregierung unserer Tage zu einer wahren, natürlichen, organischen Friedenspolitik. Darf ich ein kühnes Bild gebrauchen, ohne, bei so ernsten Dingen, den Verdacht leichtfertigen oder übermüthigen Spottes zu fürchten, so möchte ich sagen, Hegel und das politische Justemilieu, das ist: die Scheinwahrheit und der Scheinfriede, gehen der ächten Wahrheit, dem ächten Frieden auf ähnliche Weise vorher, wie in der Stufenleiter der animalischen Schöpfung der Affe dem Menschen. —