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Der Schulmeister und sein Sohn

Note 3 — Zwanzigstes Kapitel. Der Brief. (Fortsetzung.)

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Daß unser Valentin nicht übertreibt, sehen wir aus der Schilderung eines Zeitgenossen, welcher Theatr. Eur. III also schreibt:

„Anlangend aber den erbärmlichen Zustand und erschreckliche Hungersnot, so die guten Brysacher in dieser viermonatlichen Belagerung, sonderlich aber die letzten acht Wochen, ausstehen müssen, ist nicht allein dieselbe mit der Feder kaum zu beschreiben, sondern auch schwer zu glauben. Und ist diese Belagerung ja so memorabel und denkwürdig, als wohl eine sein und aus den alten Historien vorbracht werden kann. Was soll man von dir heutzutag schreiben, du armes Brysach, die du mit keiner geringen Belagerung von deinen Feinden eingeschlossen, und noch wohl was anders und abscheulichers, denn diese und andere, vorzunehmen bist gezwungen worden?

„Mußt du nicht auch mit herzbrechenden Schmerzen erfahren, daß in einem einzigen Tag acht deiner vornehmen Kinder auf einmal verloren und ohne Zweifel mit hungrigen Zähnen zerrissen worden? Mußt du nicht mit bluttränenden Augen ansehen, daß die toten Körper, so schon etliche Tage in der Erden vergraben gelegen, wiederumb herausgescharret, aufgeschnitten und ihre inwendige Gedärme weggefressen worden?

„Kannst du es ohne Mitleiden gedenken, daß deine arme, gefangene Soldaten im Stockhaus, von dem bittern Hunger gezwungen, mit den Fingern Löcher in die Mauern gearbeitet, sich mit dem schädlichen Kalk zu erlaben? Oder empfundest du es nicht, wann derselben einer oder mehr, wer es sei, vor Hunger verschmachtet, und selbiger also tot von seinen besitzenden, gleich hungrigen Kameraden mit knürbelnden Zähnen zerrissen, und ohnegekocht (als den 4. November und 2. 12. Dezember im Stockhaus geschehen) aufgefressen wird?

„Ist dies ein geringes, wann deine eigene Knechte und Kriegsgediente einen armen Jungen (als eines Pastetenbäckers widerfahren) bereden, er sollte ihnen nachfolgen, sie wollten ihme ein Bißlein Brots geben, denselbigen aber nachmals in ihrem Quartier jämmerlich schlachten und verzehren?

„Oder sollte es dir nicht schmerzlich wehe tun, wenn du am Morgen aufstehest und mußt bisweilen zehn, bisweilen mehr oder weniger Toten Körper auf öffentlicher Gassen liegend ansehen?“

„Möchtest du nicht dein Angesicht verstellen und die Haar deines Haupts ausrufen, wann du an deinen Wohlstand zurückdenkst, nunmehr aber mit unwilligen Augen anschauen mußt, daß vor ein Malter Kleyen 132: fl., vor ein Ei 1 fl., vor ein Pfund Roßkutteln 7 Batzen, vor zwei Hinterviertel von einem Hund 7 fl., vor eine Ratte 1 fl. gegeben worden?“

„Mehr als 2000 Roß-, Ochsen-, Küh-, Kälber- und Schafshäute, eine in die andere vor 5 fl. verkauft, aufgegessen, ja alle Hund und Katzen verspeiset worden? Und was soll ich viel sagen und deine Wunden wiederumb aufreißen, da doch dein zugestandenes Unglück ohne Zweifel schon in der ganzen Welt erschollen und bei allen Völkern ausgebreitet ist, deren eins Teil sich darüber belustigen, andere aber zu trauern Ursach genommen.“

Als charakteristisch für jene Zeit möge auch das auf die Eroberung von Breisach verfertigte Distichon Chronologicum eine Stelle finden. Es lautete: Heroi in victo Bernhardo de Weymar Germano Achilli, de expugnato Brisaco Carmen Chronologicum:

„InViCto fortIs CeCIDIt BrIseIs ACHILLI IVngitVr & tanto DIgna pVeLLa VIro.“

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