Note 52 — VI. Überlieferung und Textgeschichte des Liedes der Nibelunge.
Reading edition
In einer Besprechung der 1. Auflage dieses Buches (Literarische Rundschau vom 1. Juni 1909) hat Fr. Panzer die hier entwickelte Gedankenreihe beanstandet und darauf hingewiesen, daß Zeizenmure in der ungarischen Sage als Ort einer Schlacht eine große Rolle spielt und infolgedessen in die Grundhandschrift des Not-Textes gelangt sei. Das könnte möglich sein, hilft uns aber nicht weiter, denn 1) ist die Darstellung der ungarischen Sage, wie sie bei Simon Kézai vorliegt, trotz Bleyers Ausführungen (im 31. Bande der Beiträge) eine halbgelehrte Kompilation aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts, 2) ist nicht abzusehen, wie ein Nicht-Österreicher (denn ein Österreicher konnte den Fehler nicht begehen) zur Kenntnis ungarischer Sage gelangt sein sollte, und 3) bleibt die Sache beim alten, weil die Grundhandschrift des Not-Textes den Fehler, mag seine Ursache sein, welche sie will, eben begangen hat und daher notwendigerweise nur eine nebengeordnete, nicht eine übergeordnete Stelle neben den Liet-Handschriften einnehmen kann. Auf Zarncke’s feinen Gedanken, Nithart zur Erklärung heranzuziehen, könnte man schließlich verzichten; den in der „Not“ vorliegenden Text aber weit über 1230 hinaufzuschieben, ist trotzdem unmöglich wegen gewisser unbestreitbarer Zusätze, wegen Spuren beginnenden Verfalles in der Verstechnik und besonders wegen des Zustandes aller hierher gehörigen Handschriften (s. S. 107).