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Das Leben Tolstois

Note 219 — Die sozialen Ideen

O. R. Sylvester translation

(S. 152): Rußland war tatsächlich in einer besonderen Lage; und wenn es auch verkehrt von Tolstoi gewesen ist, daraus Schlüsse auf sämtliche europäischen Staaten zu ziehen, so darf man sich doch nicht wundern, daß ihn die Leiden, die er in seiner Umgebung sah, besonders empfindlich berührten. — Man lese im „großen Verbrechen” die Unterhaltungen, die er auf der Landstraße nach Tula mit den Bauern führt, denen allen das Brot fehlt, weil es ihnen an Erde mangelt, und die alle im tiefsten Innern darauf warten, daß ihnen die Erde zurückgegeben werde. Die Landbevölkerung macht in Rußland 80 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Über hundert Millionen Menschen, sagt Tolstoi, sterben vor Hunger, weil die Grundeigentümer den Boden einziehen. Wenn man ihnen, als Mittel zur Heilung ihres Übels, von der Preßfreiheit, von der Trennung von Staat und Kirche, von der Volksvertretung und selbst vom Achtstundentag spricht, macht man sich in der frechsten Weise über sie lustig: „Das Verhalten derer, die so tun, als ob sie überall nach Mitteln suchen, um die Lage der Volksmassen zu verbessern, ist gerade so, wie wenn im Theater alle Zuschauer den Schauspieler, der sich versteckt hält, deutlich sehen, während seine Mitspieler, die ihn auch sehr wohl sehen, so tun, als ob sie ihn nicht sähen, und sich die größte Mühen geben, ihre Aufmerksamkeit gegenseitig von ihm abzulenken.” — Es gibt kein anderes Mittel, als die Erde dem Volke, das arbeitet, zurückzugeben. Und zur Lösung dieser Grundfrage beruft sich Tolstoi auf die Lehre Henry Georges und seinen Plan, nur eine einzige Steuer, eine Steuer auf den Grundwert, zu erheben. Dies ist sein ökonomisches Evangelium, auf das er unentwegt zurückgreift und das er sich so zu eigen macht, daß er häufig in seinen eigenen Werken ganze Sätze von Henry George gebraucht.

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