Note 258 — Die letzten Lebensjahre
O. R. Sylvester translation
(S. 173): Die „Correspondance de l'Union pour la vérité” hat in ihrer Nummer vom 1. Januar 1911 einen interessanten Bericht über diese Flucht veröffentlicht: Tolstoi verließ plötzlich am 28. Oktober (10. November) 1910, gegen 5 Uhr morgens, Jasnaja Poljana; seine Tochter Alexandra, die Tschertkow „seine vertrauteste Mitarbeiterin” nennt, war in das Geheimnis von seiner Flucht eingeweiht. Am nämlichen Tage, um 6 Uhr abends, langte er an dem Kloster Optina an, einem der berühmtesten Wallfahrtsorte Rußlands, wohin er früher schon manches Mal gepilgert war. Hier verbrachte er die Nacht und den Morgen des folgenden Tages und schrieb einen langen Aufsatz über die Todesstrafe. Am Abend des 29. Oktober (11. November) ging er nach dem Kloster Chamordino, wo seine Schwester Marie Nonne war. Er aß mit ihr und sagte ihr, daß er den Wunsch gehabt habe, das Ende seines Lebens im Kloster Optina zu verbringen, „wo er sich den niedrigsten Arbeiten gern unterzogen hätte, jedoch unter der Bedingung, daß er nicht gezwungen gewesen sei, zur Kirche zu gehen.” Er verbrachte die Nacht in Chamordino, machte am folgenden Morgen einen Gang in das benachbarte Dorf, wo er Unterkunft zu nehmen dachte, und kam am Nachmittag wieder mit seiner Schwester zusammen. Um 5 Uhr traf unversehens seine Tochter Alexandra ein. Zweifellos benachrichtigte sie ihn davon, daß sein Zufluchtsort bekannt geworden und man auf seiner Verfolgung sei; und in der nämlichen Nacht brachen sie noch auf. „Tolstoi, Alexandra und Doktor Makowitski gingen nach der Bahnstation Koselsk, wahrscheinlich mit der Absicht, die südlichen Provinzen, vielleicht die von den Duchoborzen im Kaukasus gegründeten Kolonien, zu erreichen.” Unterwegs erkrankte Tolstoi auf dem Bahnhof von Astapowo und mußte sich zu Bett legen. Dort starb er dann.