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Das Leben Tolstois

Note 195 — Die „Auferstehung”

O. R. Sylvester translation

(S. 135): „Der Herr und sein Knecht” ist eine Art Übergang von den düsteren Romanen, die vorausgehen, zu der „Auferstehung”, worin sich das Licht göttlicher Barmherzigkeit ausbreitet. Aber man spürt darin noch mehr die Nachbarschaft mit dem „Tod des Iwan Iljitsch” und den „Volkserzählungen”, als mit der „Auferstehung”, wo sich nur gegen das Ende zu die wunderbare Verwandlung eines selbstsüchtigen und feigen Menschen ankündigt. Den größten Teil der Geschichte bildet die äußerst realistische Schilderung eines ungütigen Herrn und eines ergebenen Dieners, die nachts in der Steppe von einem Schneesturm überrascht werden und den Weg verlieren. Der Herr, der zuerst unter Zurücklassung seines Genossen zu fliehen versucht, kehrt zurück und findet seinen Diener halb erfroren; er wirft sich über ihn, bedeckt ihn mit seinem Körper, erwärmt ihn wieder, indem er sich instinktiv aufopfert; er weiß nicht warum; aber seine Augen füllen sich mit Tränen: es ist ihm, als ob er der sei, den er retten will, der Diener Nikita, und daß sein Leben nicht mehr in ihm selbst ist, sondern in Nikita. — „Nikita lebt; also bin ich noch am Leben.” — Er hat fast vergessen, daß er selbst Wassili gewesen ist. Er denkt: „Wassili wußte nicht, was zu tun war. Aber ich — ich weiß es!” Und er hört die Stimme dessen, auf den er wartete (hier erinnert sein Traum an eine der „Volkserzählungen”), dessen, der ihm gerade befohlen hatte, sich auf Nikita zu betten. „Herr ich komme”, ruft er voller Freude, und er fühlt, daß er frei ist, daß nichts ihn mehr zurückhält... Er ist tot.

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