Note 142 — ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
Reading edition
Zwischen Haus Campe beim Dorfe Steinbild und Meppen zieht sich am rechten Ufer der Ems ein Hügelzug hin, welcher es außer Hengstberg auch noch zu anderen besonderen Namen, wie Ossenberg, Kellerberg, Galgenberg und Flüteberg gebracht hat und jetzt durch die hannover’sche Westbahn durchschnitten wird. Diese Sandhügel oder Dünen, welche das Werk der Ems sein mögen, sind jedoch schon vor der christlichen Zeit bewohnt gewesen, wofür die vielen Todtenhügel, welche man auf ihren Rücken erblickt, den untrüglichsten Beweis liefern. Um nun auf diesen breiten Sandstreifen, welcher zwischen dem Bourtagner Moor und der Tinner Dose liegt, zu gelangen, mußte Germanicus, welcher am linken Ufer gelandet war und bei Amisia (Emden) die Flotte zurückgelassen hatte, seine Truppen, die sich mühsam genug durch das Bourtagner Moor durchgearbeitet haben mochten (das Vorrücken durch die ostfriesischen Moorgegenden am rechten Ufer mochte noch schwieriger sein und Germanicus deshalb den Weg am linken Ufer vorgezogen haben, obgleich auch das Bourtagner Moor auf einer Landkarte von Joannes Janssonius (Amsterdam 1660) als „desertum ob paludes et aquas inaccessum“ und „loca paludosa et inaccessa“ bezeichnet wird) in der Nähe von Lathen über die Ems setzen (dextras in terras iturum), wo dann der Brückenbau mehrere Tage in Anspruch nahm. Es ist nicht klar, warum Germanicus seine Soldaten nicht gleich bis an diese Stelle durch Schiffe heraufbringen ließ; denn die Ems ist zu allen Zeiten bis nach Haren, noch oberhalb Lathen gelegen, hin schiffbar gewesen, wie denn dieser Ort noch heute Hauptort der Emsschiffer, der sogenannten Püntker ist, und Düthe, wenn es wirklich das auf den Karten des Ptolemäus genannte Tuderion, eine alte Schiffsstation an der Ems, ist, liegt nicht weit vom nördlichen Abhange der oben beschriebenen Hügelreihe. Darin liegt demnach die Erklärung des Tadels, welchen Tacitus Ann. II, 8 mit den Worten ausspricht: in eo erratum est, quod non subvexit „und darin wurde gefehlt, dass er nicht weiter hinauffuhr“. Tacitus meint also, daß Germanicus, wenn er weiter hinaufgefahren, bessere Landwege gehabt haben würde, die Soldaten sofort am rechten Ufer hätte aussetzen und dadurch die Mühe und Zeit mit dem Brückenbau sparen können.