Note 21 — Was muß ein Erzieher lernen?
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Unter Empfindungsvermögen versteht Salzmann, was wir nach dem heutigen psychologischen Sprachgebrauche Sinnesvermögen nennen. Salzmann nennt dieses Empfindungsvermögen, weil die ersten einfachen Eindrücke, die uns durch die Sinne zugehen, Empfindungen genannt werden, aus denen dann die Wahrnehmungen, Anschauungen und Vorstellungen hervorgehen. Die Übung der Sinne des Kindes ist sehr wichtig. Deshalb fordert auch Rousseau: „Erst Übung der Sinne, dann Übung der Geisteskräfte! Sinnenvernunft vor intellektueller Vernunft! Denn die ersten Vermögen, die sich in uns bilden und entwickeln, sind die Sinne. Übt nicht bloß die Kräfte der Kinder, übt alle Sinne, welche die Kräfte regieren, benutzt möglichst jeden Sinn, prüft die Eindrücke des einen Sinnes durch die anderen. Meßt, zählt, wägt, vergleicht!“ Und Comenius sagt: „Anfangs übe man die Sinne, dann das Gedächtnis, hierauf den Verstand, zuletzt das Urteil. Denn die Wissenschaft beginnt mit der sinnlichen Wahrnehmung.“ Und Salzmann schreibt in seiner Schrift: „Über die Erziehungsanstalt zu Schnepfenthal“: „Da wir alle unsere Kenntnisse durch die Sinne bekommen, die den Stoff liefern, aus dem die Vernunft ihre Begriffe abzieht, so ist es wohl sehr nötig, daß zuerst die Sinne geübt werden,“ und in seinem „Himmel auf Erden“: „Das richtige Empfinden wird am besten in der ersten Jugend gelernt, wenn die mit der Welt noch unbekannte Seele auf die Dinge, die um sie sind, aufmerksam gemacht und angeleitet wird, sie selbst zu beobachten und darüber selbst zu urteilen.“ Wie vorteilhaft es für den Schulunterricht ist, wenn die Sinne der Kinder bereits im vorschulpflichtigen Alter durch den Kindergarten geübt und geschärft worden sind, habe ich in meiner Schrift: „Der Einfluß des Fröbelschen Kindergartens auf den nachfolgenden Schulunterricht“ nachgewiesen. (Verlag von Siegismund & Volkening, Leipzig.) Daß die Übung der Sinne auch auf den oberen Schulstufen zu pflegen ist, ist selbstredend.