Note 28 — Was muß ein Erzieher lernen?
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In Bezug auf sein anthropologisches Prinzip stand Salzmann wie die anderen Philanthropen auf dem Boden des Rationalismus. Sie huldigten dem Grundsatze der Naturalisten: Der Mensch ist von Natur durchaus gut. (Pelagianismus.) So sagt Rousseau am Anfange des „Emil“: „Alles ist gut, wie es aus den Händen des Urhebers aller Dinge hervorgeht; alles entartet unter den Händen des Menschen.“ An einer anderen Stelle heißt in derselben Schrift: „Stellen wir als unantastbaren Grundsatz fest, daß die ersten Regungen der Natur immer gut sind; es giebt keine ursprüngliche Verderbtheit in dem menschlichen Herzen.“ Auch Salzmann läßt in seinem „Konrad Kiefer“ den Pfarrer sprechen: „Lieber Herr Kiefer, es giebt eine Erbsünde, eine Regung zum Bösen und eine Abneigung vom Guten, die die Kinder von ihren Eltern bekommen; sie wird ihnen aber nicht sowohl angeboren, als anerzogen.“ Dagegen behaupten die strengen Supranaturalisten, daß die menschliche Natur zum Guten aus eigener Kraft absolut unfähig ist. Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, so auch hier, in der Mitte. In der Natur des Menschen kann kein Absolut-Böses, wohl aber die Anlage zum Relativ-Bösen sein. Die gemäßigteren Supranaturalisten beschränken ihre Ansicht auch dahin, daß dem Menschen eine Neigung zum Bösen angeboren sei, die sich in der frühesten Jugend mit Übergewicht äußere.