Note 22 — Zur Formenlehre
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Genau genommen wird freilich auch nicht vereiteln, verändern gesprochen, sondern vereitln, verändrn, l und r werden gleichsam vokalisiert. Aber gemeint ist doch mit dieser Aussprache eln, ern, nicht len, ren. Eigentlich gehören auch noch die Wortstämme auf en hierher, wie rechen, zeichen, orden, offen, eben, eigen, regen (vgl. Rechenschaft, Eigentum, Offenbarung). Die Infinitive können da natürlich nur rechnen, ordnen, eignen lauten; die flektierten Formen aber, die wir jetzt leider allgemein zeichnet, zeichnete, öffnete, gerechnet, geordnet, geeignet schreiben, lauteten im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert noch überall schöner: zeichent, gerechent, geordent, geeigent. Der Volksmund spricht auch heute noch so, selbst der Gebildete sagt – er mag sich nur richtig beobachten –: es regent, es regente, es hat geregent (genau genommen freilich auch hier wieder regnt, geregnt, mit vokalisiertem n). Nur wer sich ziert, wer „wie gedruckt“ redet, sagt: ausgezeichnet! Net, womöglich nett! Man muß ja förmlich eine Pause machen und Kraft sammeln, um das net herauszubringen! Unsre besten und hervorragendsten Zeitschriften brauchten nur einmal die vernünftigen Formen zeichent, öffent, zeichente, öffente, gezeichent, geöffent eine Reihe von Jahren beharrlich drucken zu lassen, so wären sie wieder durchgedrückt. In atmen (Stamm atem) hat natürlich das Stamm-e ausgeworfen werden müssen, weil atemn niemand sprechen kann; für atmet hört man aber im Volksmunde auch oft genug atent, wie denn auch schon in der ältern Sprache Aten neben Atem erscheint, (und wie auch bodem, gadem, besem, busem zu Boden, Gaden, Besen, Busen geworden sind).