Note 10 — Zur Formenlehre
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Geschmacklos ist es, vor derartige Appositionen, wo sie wirklich den Beruf, das Amt, die Tätigkeit bedeuten, noch das Wort Herr zu setzen: der Herr Reichskanzler, der Herr Erste(!) Staatsanwalt, der Herr Bürgermeister, der Herr Stadtverordnete, der Herr Vorsitzende, der Herr Direktor, der Herr Lehrer (die Herren Lehrer sind während der Unterrichtsstunden nicht zu sprechen), der Herr Königliche Oberförster, der Herr Organist, der Herr Hilfsgeistliche, sogar der Herr Aufseher, der Herr Expedient, die Herren Beamten usw. Wenn das Herr durchaus zur Erhöhung der Würde dabeistehen soll, so gehört es unmittelbar vor den Namen: der Abgeordnete Herr Götz, der Organist Herr Schneider, der Hilfsgeistliche Herr Richter usw. Fühlt man denn aber nicht, daß der Reichskanzler, der Bürgermeister und der Direktor viel vornehmere Leute sind als der Herr Reichskanzler, der Herr Bürgermeister und der Herr Direktor? Wie vornehm klangen die Theaterzettel der Meininger, wie lächerlich klingt eine Liste der Prediger des nächsten Sonntags, wenn sie alle vom Superintendenten bis herab zum letzten Kandidaten als Herren aufgeführt sind! Das allerlächerlichste sind wohl die Herren Mitglieder. Wie heißt denn davon die Einzahl? der Herr Mitglied? oder das Herr Mitglied?