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21 Jahre in Indien. Dritter Theil

Note 38 — 4. Capitel.

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Oft trat die Vermuthung in mir auf, ob in diesem Falle nicht ein „Heufieber“ vorliege (= Sommerkatarrh = Bostock’scher Katarrh). Leider habe ich niemals das Secret der Nasenschleimhaut auf Pollen der zahlreichen Gräsersorten untersucht, welche ja in den Tropen das ganze Jahr hindurch und überall üppig gedeihen. Vielleicht ist diese Mittheilung hinreichend, jemand Andern zu dieser Arbeit anzuregen.

Niemals und nirgends litt ich so viel an Schnupfen als die letzten Jahre meines Aufenthaltes auf Java, und es ist mir ein wahres Vergnügen, der „Erkältung“, welche die moderne Hygiene gern in die Rumpelkammer veralteter Theorien werfen möchte, eine Ehrenretung schreiben zu können. Ohne dass ich jemals das Secret der Nase bacteriologisch untersucht hatte, welches beim Niesen in reichlicher Menge abgesondert wird, wage ich die Behauptung, dass diese petite misère de la vie der Typus einer „Erkältung“ ist, und dass auch nur die Annahme eines bacteriologischen Ursprunges kein Recht auf Bestehen hat. Mir ist ganz gut bekannt, dass — ich glaube, dass es Goldschmidt in Paris nachgewiesen hat — z. B. beim Niesen der Leprösen in einem Radius von ± 1 Meter auf dem Boden Leprabacillen gefunden wurden; es ist also möglich, dass man auch beim Niesen des communen Strauchens ebenfalls Microorganismen finden wird, welche selbst culturfähig sind und bei Impfungen dieselbe Krankheit erzeugen könnten; aber selbst dann nicht, wenn dies bereits gelungen wäre, würde ich die bacteriologische Entstehungsweise dieser Leiden anerkennen. Wenn ich mich zu dieser ketzerischen Behauptung hinreissen lasse, so geschieht es unter der Wucht der Beweiskraft der Thatsachen; immer, wenn ich transpirirte und unvermittelt mich der Zugluft aussetzte, begann ich zu niesen; die Secretion der Nasenschleimhaut wurde so gross, dass ich im Laufe einiger Stunden 6–10 Sacktücher benöthigte, und wenn ich, sei es Nachmittags oder Abends, mich zu Bett begab, hatte der Process sein Ende erreicht. Da nebstdem nur jene Menschen so häufig darunter leiden, welche schon Jahre lang in den Tropen geweilt haben, also unter dem Einfluss der tropischen Wärme ein gewisses labiles Gleichgewicht des nervösen Lebens erhalten haben, so bekommen wir ein Krankheitsbild, das weder in seiner unermittelten Entstehungsweise, noch in der Kürze seiner Dauer, noch in seinem sicheren Abklinken durch die Bettwärme in den Rahmen einer Infectionskrankheit gezwängt werden kann. Wie ich schon oben erwähnt habe, ich litt und leide auch an Gelenkrheumatismus; bei der strengsten Beobachtung ist es mir noch nicht gelungen — obwohl es eine landläufige Ansicht ist — irgend einen Factor des Sammelbegriffes Klima zu kennen, der unbedingt mir eine Attaque veranlasst; aber das Strauchen trat immer unter oben genannten Verhältnissen auf. Ich musste also bei dem Gelenkrheumatismus die Möglichkeit einer bacteriellen Entstehungsweise offen halten, während der Katarrh der Nasenschleimhaut, welcher in den Tropen viel häufiger als in Europa die Menschen attaquirt, das reine Gepräge einer „Erkältung“ trägt.

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